Montag, 31. Januar 2011

Monastero di San Benedetto, Norcia

Das Benediktinerkloster Nursia besteht seit 10 Jahren. Die Mönche pflegen seit einigen Jahren den "außerordentlichen Ritus". Es gibt nicht mehr genügend Zellen für Neuankömmlinge die Mönch werden möchten. Deswegen soll eine neue Abtei gebaut werden.

Ablegung der Profess

Mehr erfahren kann man
und

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Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (12)


Gründe für die alte Form des hl. Offiziums

Auch wenn der Umbruch zwischen dem alten römischen Brevier und der neuen liturgia horarum von 1971 nicht so drastisch erscheint wie beim Messbuch, so unterscheiden sich beide doch deutlich voneinander. Nachdem die jüngste Brevierreform bereits fast 40 Jahre zurückliegt, lässt sich doch sine ira est studio auf deren Verluste und auf die besonderen Schätze des alten Offiziums hinweisen. Das mag manch einen Kleriker oder vielleicht auch ein Kloster oder eine Ordensgemeinschaft dazu bewegen, die jahrhundertealte Form des Stundengebetes wieder aufzugreifen. Die Augenscheinlichsten Veränderungen betreffen dreierlei: den Umfang, die Sprache und die Vereinheitlichung.

1.      Das Gebetspensum vor allem der Weltpriester wurde in der liturgia horarum deutlich verringert. Statt des Wochenpsalters kennt sie nur noch einen Vierwochenrythmus, in dem alle Psalmen gebetet werden. So kommt es dazu, dass die einzelnen Wochentage nicht mehr ihre weitgehend unveränderte Prägung besitzen. Ebenso wurde die Zahl der zu betenden Horen von acht auf fünf reduziert, und die tägliche Zahl der Psalmen beschränkt sich nun auf in der Regel elf anstelle von dreiunddreißig. Man wollte mit dieser Reduktion der Arbeitslast der Priester Rechnung tragen. Sie sollten ihr Brevier nicht als bloße Bürde empfinden. Faktisch hat es aber zum Gegenteil geführt: Nicht wenige Priester beten im Höchstfall nur noch einen Teil des geringeren Pensums, zu dem sie nun verpflichtet sind. Bei der wehe haben sie versprochen, „Männer des Gebetes“ zu sein, aber das Gebet der Kirche ist für viele marginal geworden. Damit wurde nolens volens einem aktivistischen Priesterideal Vorschub geleistet. Nicht selten sind schließlich spirituelle Formen an die Stelle des Stundengebetes getreten, die das geistliche Leben des Priesters weitab vom katholischen Dogma führen. Spirituelle Moden und unscharfe geistliche Formen verdrängen das Gebet, was sie feierlich versprochen haben – ein denkwürdiger Verfall! All das hat zur Folge, dass man vom heutigen Brevier nur noch sehr begrenzt sagen kann, was die Liturgiekonstitution des II. Vaticanums gefortert hat: „Das Stundengebet ist nach alter christlicher Überlieferung so aufgebaut, dass der gesamte Ablauf des Tages und der Nacht durch Gotteslob geweiht wird“ (SC 84).
(12, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Sonntag, 30. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (11)


Geistlicher Sinn des hl. Offiziums (Fortsetzung)

4.  Das Offizium entspricht zutiefst dem Wesen des Menschen. Es vollendet auch die Schöpfung. Alles, was ist, wird zu seiner letzten Bestimmung erhoben, Gott zu loben. Diese Vollendung der Schöpfung geschieht darin, dass alles Wissen der natürlichen Gotteserkenntnis und damit auch der Religionen hier aufgegriffen und zur Wahrheit geführt wird. Denn der Mensch als Mensch und Vernunftwesen weiß ja um Gott und um die grundlegenden Pflichten ihm gegenüber (die religio, das officium pietatis): Gehorsam, Gebet und Opfer.

a.       Die Psalmen umfassen alle Höhen und Tiefen des Daseins. Darin zeigen sie, wie ein Mensch in allen Lebenslagen Gott Gehorsam bleiben kann.
b.      In allen Religionen gibt es besondere Zeiten des Gebetes, gibt es Festtage und –zeiten, gibt es die Struktur des Tages mit dem Wechsel von Arbeit und Gebet und mit besonderen Gebetszeiten am Morgen und am Abend. Und selbst Nichtglaubende sind nicht selten für die priesterlich-stellvertretende Dimension des Betens ansprechbar. „Ich bete für dich!“, das trägt sie in einer Not, selbst wenn sie es gar nicht verstehen können.
c.       Gott Opfer darzubringen ist wohl so alt wie die Menschheit selbst.  Ganz zu recht erkannte das Konzil von Trient, dass alle Opfer der Vorzeit in dem einen Opfer der Messe vollendet sind (vgl. DS 1742). Ebenso kann man sicher auch sagen, dass alles Opfer der Lippen erst im christlichen Beten zum Ziel kommt.
(11, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Samstag, 29. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (10)


Geistlicher Sinn des hl. Offiziums (Fortsetzung)

3.  Das Offizium ist der Gipfel des Betens, aber es schließt persönliches Beten oder Devotionen nicht aus, sondern ein. Denn so wie ein Priester in der Weihe entpersönlicht und Gott überantwortet ist, aber dennoch mit seiner ganzen Existenz danach strebt, ein guter Priester zu werden, so öffnet das liturgische Beten ihm einen weiten Raum für seine persönliche Frömmigkeit, z.B. in täglicher Betrachtung, Rosenkranz und Gewissenserforschung. Des Weiteren ist das Brevier zwar durchaus das Standesgebet der Kleriker. „In Person des ganzen gläubigen Volkes“ bringen sie Gott das Opfer des Gebetes dar. Dabei erklingt jedoch die „Stimme der Kirche, des ganzen mystischen Leibes“ (SC 99). Darum schließt es die Teilnahme von Gläubigen an einzelnen Horen nicht aus, sondern ein (SC 100; dazu wird an dieser Stelle besonders die Sonn- und Feiertagsvesper empfohlen). Doch auch wenn der Priester es alleine betet, ist also dieses ganze gläubige Volk in seiner Person bereits anwesend.
(10, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Freitag, 28. Januar 2011

Zölibat. Dr. Kissler antwortet Dr. Lammert

Aus dem offenen Brief von Alexander Kissler an Norbert Lammert   


"Schließlich hat mir noch niemand – auch Du nicht, lieber Norbert – die Frage beantwortet, warum es in jenen evangelischen, altkatholischen oder sonstigen christlichen Gemeinschaften, die den Zölibat nicht kennen, keineswegs boomt, sondern der Glaube noch weit rascher sich verzieht. Auch um den Nachwuchs steht es dort keineswegs leuchtend bestellt. 

Katholische Priester folgen Christus auch insofern nach, als sie dessen Ehelosigkeit sich zur eigenen Lebensform erwählen. Sie setzen dadurch, im Unterschied etwa zu Politikern, die sich qua Pressekonferenz selbst zum Privatier erklären können, radikal und mit Haut und mit Haar und ganz freiwillig lebenslang auf diesen Christus. Manchmal denke ich, der Zölibat wird nur deshalb von nicht-zölibatär lebenden Menschen angegriffen, weil sie es nicht ertragen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die leibhaft beweisen, dass es auch im 21. Jahrhundert lebenslange Treue, lebenslange Eindeutigkeit geben kann. Jeder katholische Priester ist ein wandelnder Einspruch gegen die Allmacht der Diesseitigkeit. 

Du, lieber Norbert, trägst nun leider dazu bei, diesen Einspruch um Christi Willen herabzusetzen, aus persönlicher Ungeduld und in soziologischer Perspektive. So aber relativierst Du Christus selbst. Darum habe ich Dir geschrieben"

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Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (9)


Frühe Kirche  (Fortsetzung)

° Höhepunkt allen Betens ist das Opfer.
Das tägliche Ganzopfer im Tempel findet seine Erfüllung im Messopfer – übrigens ein Grund mehr dafür, dass jeder Priester möglichst täglich am Altar stehen sollte. Opfer und Gebet, Messe und Brevier sind darum untrennbar. Nach den Rubriken sollten der morgendlichen Messfeier bereits die Laudes vorausgehen, worin sich deutlich die Verbindung von Offizium und Messe äußert. Auch erklingt in Messe, Laudes und Vesper das Evangelium, und zwar bei letzteren Benedictus und Magnificat. Zwischen beiden Horen schreitet nicht nur die Uhrzeit des Tages voran, sondern auch die Heilszeit vom Alten zum Neuen Bund: Die Laudes enthalten ein alttestamentliches Canticum sowie das Benedictus des Zacharias, des Vaters des Vorläufers Christi, des hl. Johannes des Täufers, die Vesper dagegen das Magnificat Mariens. In der Mitte der Zeiten aber steht das Opfer Christi in der Messe. Das Abendopfer dagegen ist die Vesper. Darum entspringt der Brauch des eucharistischen Segens in Verbindung mit der feierlichen Sonntagsvesper dem Wissen um diese Nähe des Abendopfers zur Messe des Morgens.
(9, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Donnerstag, 27. Januar 2011

Biografie Papst Pius XII.

Das neue Buch von Alexandra von Teuffenbach 
                                   
Pius XII.. - Neue Erkenntnisse über sein Leben und Wirken.

Ein äußerst spannend und lehrreich geschriebenes Buch der Autorin, die zur Vorbereitung nicht nur alle anderen Biografien heranzog und verglich, sondern auch in den Archiven des Vatican stöberte und studierte. Für sie, die sich ohnehin schon seit langer Zeit als Spezialist für das Vaticanun II profiliert hat, lag es nahe, auch die pianischen Vorbereitungen für ein Konzil näher anzusehen und hier darzustellen. Diese und andere Informationen kann man diesem Buch entnehmen.

HIER  kann man das Inhaltsverzeichnis einsehen und einige Seiten lesen.

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Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (8)


Frühe Kirche  (Fortsetzung)

° Das Gebet heiligt die Zeit.
Dabei sind die beiden Angelpunkte des Tages, der morgen und der Abend, durch die Ganzopfer hervorgehoben. Daraus sind die beiden herausragenden Horen des Tages, Laudes und Vesper, die horae maiores, entstanden. Diese beiden Zeiten für das Gebet liegen dem menschlichen Empfinden ja schon ganz natürlich nahe: sich am Morgen durch das Lob Gottes für den Tag zu rüsten und ihm am Abend für das Erlebte zu danken. Doch der Her will noch mehr und verlangt von den Gläubigen, „dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten“ (Lk 18,1). Bei Tag und bei Nacht sollen sie immer wieder ins Gebet eintauchen, um nicht in den Sorgen der Welt aufzugehen. Dass ein Beter sich für das Brevier also oft losreißen muss, dass er sich aufraffen muss, dass er scheinbar wertvolle Arbeitszeit darin verschenkt, ist durchaus notwendig und heilsam!

° Das Gebet Israels ist Teil des Kultes,
den Priester und Leviten stellvertretend für das ganze Volk Gottes zelebrieren. So ist auch das Stundengebet Kult und Liturgie, dargebracht durch die Amtsträger. Es dient nicht allein der persönlichen Erbauung oder den privaten Anliegen und Nöten der Beter, sondern darin ehrt und bekennt Israel und dann die Kirche den wahren Gott. Es ist öffentliches Gebet: „Das gemeinsame Gebet ist ein solches, das durch die Diener der Kirche i9n der Person des ganzen gläubigen Volkes Gott dargebracht wird“ Wenn ein Kleriker dagegen meint: „Mit dem Brevier kann ich nicht viel anfangen. Das gibt mir nichts“, dann läuft er Gefahr, seinen Beruf zu verfehlen!

° So wie Priester und Leviten
überall im Land die gleichen Gebete verrichten wie im Tempel, so beten auch heute die Kleriker und Ordensleute an allen ihren Aufenthaltsorten dasselbe eine Gebet der Kirche. Selbst privat rezitiert, bleibt es ein öffentliches, liturgisches Beten. Es kann darum auch nicht durch andere Gebete ersetzt werden. Schließlich ist die lateinische Sprache ein kraftvoller Ausdruck dieser Einheit des Kultes an allen Orten dieser Welt. Wie ein Jude bis heute hebräisch lernt, die Sprache seines Volkes, so lernt der Priester Lateinisch, einst die Sprache des Weltreiches und heute seiner weltweiten, völkerumgreifenden Kirche.
(8, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Mittwoch, 26. Januar 2011

Eremiten in der Toskana

Der folgende Artikel ist "katholisches" entnommen:

Die Eremiten von Garfagnana – Liturgie im alten Ritus

(Florenz) Seit 1982 besteht in Garfagnana in der Toskana eine Gemeinschaft von Eremiten. Ihre monastische Lebensform ist benediktinischer Prägung, ihre Spiritualität steht den Kamaldulensern nahe. Zweimal in der Woche zelebrieren die Eremiten die Heilige Messe im tridentinischen Ritus.

Hier geht es zum ganzen Artikel.
Fra Mario

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Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (7)


Frühe Kirche  (Fortsetzung)

° Das Gebet heiligt die Zeit.
Dabei sind die beiden Angelpunkte des Tages, der morgen und der Abend, durch die Ganzopfer hervorgehoben. Daraus sind die beiden herausragenden Horen des Tages, Laudes und Vesper, die horae maiores, entstanden. Diese beiden Zeiten für das Gebet liegen dem menschlichen Empfinden ja schon ganz natürlich nahe: sich am Morgen durch das Lob Gottes für den Tag zu rüsten und ihm am Abend für das Erlebte zu danken. Doch der Her will noch mehr und verlangt von den Gläubigen, „dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten“ (Lk 18,1). Bei Tag und bei Nacht sollen sie immer wieder ins Gebet eintauchen, um nicht in den Sorgen der Welt aufzugehen. Dass ein Beter sich für das Brevier also oft losreißen muss, dass er sich aufraffen muss, dass er scheinbar wertvolle Arbeitszeit darin verschenkt, ist durchaus notwendig und heilsam!

° Das Gebet Israels ist Teil des Kultes,
den Priester und Leviten stellvertretend für das ganze Volk Gottes zelebrieren. So ist auch das Stundengebet Kult und Liturgie, dargebracht durch die Amtsträger. Es dient nicht allein der persönlichen Erbauung oder den privaten Anliegen und Nöten der Beter, sondern darin ehrt und bekennt Israel und dann die Kirche den wahren Gott. Es ist öffentliches Gebet: „Das gemeinsame Gebet ist ein solches, das durch die Diener der Kirche in der Person des ganzen gläubigen Volkes Gott dargebracht wird“ Wenn ein Kleriker dagegen meint: „Mit dem Brevier kann ich nicht viel anfangen. Das gibt mir nichts“, dann läuft er Gefahr, seinen Beruf zu verfehlen!

° So wie Priester und Leviten
überall im Land die gleichen Gebete verrichten wie im Tempel, so beten auch heute die Kleriker und Ordensleute an allen ihren Aufenthaltsorten dasselbe eine Gebet der Kirche. Selbst privat rezitiert, bleibt es ein öffentliches, liturgisches Beten. Es kann darum auch nicht durch andere Gebete ersetzt werden. Schließlich ist die lateinische Sprache ein kraftvoller Ausdruck dieser Einheit des Kultes an allen Orten dieser Welt. Wie ein Jude bis heute hebräisch lernt, die Sprache seines Volkes, so lernt der Priester Lateinisch, einst die Sprache des Weltreiches und heute seiner weltweiten, völkerumgreifenden Kirche.

° Höhepunkt allen Betens ist das Opfer.
Das tägliche Ganzopfer im Tempel findet seine Erfüllung im Messopfer – übrigens ein Grund mehr dafür, dass jeder Priester möglichst täglich am Altar stehen sollte. Opfer und Gebet, Messe und Brevier sind darum untrennbar. Nach den Rubriken sollten der morgendlichen Messfeier bereits die Laudes vorausgehen, worin sich deutlich die Verbindung von Offizium und Messe äußert. Auch erklingt in Messe, Laudes und Vesper das Evangelium, und zwar bei letzteren Benedictus und Magnificat. Zwischen beiden Horen schreitet nicht nur die Uhrzeit des Tages voran, sondern auch die Heilszeit vom Alten zum Neuen Bund: Die Laudes enthalten ein alttestamentliches Canticum sowie das Benedictus des Zacharias, des Vaters des Vorläufers Christi, des hl. Johannes des Täufers, die Vesper dagegen das Magnificat Mariens. In der Mitte der Zeiten aber steht das Opfer Christi in der Messe. Das Abendopfer dagegen ist die Vesper. Darum entspringt der Brauch des eucharistischen Segens in Verbindung mit der feierlichen Sonntagsvesper dem Wissen um diese Nähe des Abendopfers zur Messe des Morgens.
(7, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Dienstag, 25. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (6)


Frühe Kirche  (Fortsetzung)

Die Prim beim morgendlichen Arbeitsbeginn und die Komplet zur Nachtruhe entstanden im klösterlichen Raum, da sie ein gemeinsames Leben voraussetzen. Die Prim ist gewissermaßen eine Nachhilfe im Eifer. Denn nach dem Bericht Cassians (360-435) „legten sich einige Mönche, denen es an Eifer fehlte, nach den Laudes wieder zum Schlafen hin. Um diesem Übelstande abzuhelfen, führte man eine neue Hore zwischen der Laudes und der Terz ein: die altera matutina“. In der Komplet wollten die Mönche begreiflicherweise noch einmal vor dem Schlafengehen ihr Herz zum Herrn erheben.

Eine Gebetsvigil am Vortag großer Feste kannte bereits das Judentum (vgl. Jes 30,29; 1 Chr 9,30; Ps 133,2). Noch viel mehr aber wurde das nächtliche Wachen durch den Heiland selbst geheiligt. Er verbrachte ganze Nächte im Gebet (vgl. Lk 6,12) und mahnte die Gläubigen in Predigten und Gleichnissen zur Wachsamkeit für die Stunde seiner Wiederkunft: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde! (Mt 25,13). „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ (Mk 14,38). So konnten die Christen sich bald im Psalmwort wiederfinden: „Siebenmal am Tag sang ich dir Lob. – Septies in die laudem dixi tibi“ (Ps 118,164). „Ich erhob mich mitten in der Nacht. – Media nocte surgebam“ (Ps 118,62). So hat also der Heilige Geist aus den Anfängen in Israel einen Kult aus Opfer und Gebet geformt, der das Beten der Kirche bestimmt. In dieser Form des Anfangs finden sich bereits alle wesentlichen Bedeutungen des hl. Offiziums:
(6, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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Montag, 24. Januar 2011

25. Januar: Bekehrung des Apostels Paulus,

Magnificat-Antiphon, 1. Vesper: 

Vade, Anania, et quaere 
Saulum: ecce enim orat: 
quia vas electionis est mihi,
ut portet nomen meum coram 
Gentibus, et regibus,
et filiis Israel. 

Geh, Anania, und frage nach Saulus; 
denn sieh, er betet;
er ist Mir ein erlesenes Werkzeug,
zu verkünden Meinen Namen den Heiden,
den Königen und den Kindern Israel.

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Die Heilige Messe, 6


VI. Vereint im Herrn

Kollekte
Anbetung und Bitte allein ist nicht genug: die ganze Hl. Messe ist Vereinigung. Dominus vobiscum! Ruft der Priester, sein Antlitz den Gläubigen zugewandt, die Arme weit geöffnet – „der Herr sei mit euch“ – und in dieser Bewegung, in diesem alten, der Bibel entlehnten Gruß, den die Liturgie achtmal in ihren bedeutungsvollsten Augenblicken wiederholen wird, scheint es, dass er alle Gläubigen ergreifen und sie alle in seinem Flehen vereinen will. Das ist die Absicht der Gebete der Kollekte, die nun einander folgen, kraftvoll wie die Prägung einer Medaille, klar wie lateinische Inschriften.

Herr, für mich allein rufe ich nicht zu Dir,
bloß für sich beten heißt nicht beten, doch für dieses Volk, unsichtbar oder sichtbar, rings um mich, dein Siegel tragend auf der Stirn, und für die Vielen auch, die Dich nicht kennen, Dich verraten:
alle sind wir eins in Dir.
Mit ihnen also wiederhole ich jenen einen einzigen gültigen Anruf,
den unsere Kirche ausspricht, Tag um Tag verschieden;
denn jeder Tag, wie er dahingeht, hat sein eigenes Wesen zum Lob für Dich und zum Gebet, dass nur ein einziger Anruf dauernd dich erreicht:
besitzen dürfen,
was nicht mehr vergeht!
Die Seele selig offen, und das Herz so rein, wie eines Kindes,
will ich mich einen völlig dem Gebet, das Deine Kirche Dir in tiefer Demut darbringt
mit Worten schlicht und stark, damit Verfolgung, Hunger, jedes Übel auch,
verschone die ganze Christenheit, und dass Du regnen lässt reich über unser Feld.
Und wie die Heiligen alle, deren wir, Dir opfernd, uns erinnern,
ob sie uns nah, ob fern, bekannt ob unbekannt,
so nehm auch ich jetzt teil am ewig neuen Zeugnis, das die Geschlechter stets Dir dargebracht,
damit von meinen Lippen jener Schrei der weltweit heiligen Kirche
sich aufhebt zu den Füßen deiner Ewigkeit.

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Sonntag, 23. Januar 2011

Trappistenkloster Novy Dvur

Nichts ändern, nur um Nachwuchs anzulocken!

Vor einigen Jahren wurde in Tschechien ein Trappistenkloster gegründet. Voraus ging der Eintritt einiger junger Tschechen in die französischen Trappistenabtei Sept Fons.

Trappistenkloster Novy Dvur
1998 wurden diese jungen Mönche mit einigen anderen Mitbrüdern zurück in ihre Heimat geschickt, um im Sudentenland, in einem verlassenen Landstrich, zisterziensisches Leben der Trappisten einzupflanzen. Ein alter Gebäudekomplex wurde renoviert und eine nagelneue Kirche gebaut. Die Anzahl der ersten neun Mönche hat sich inzwischen mehr als verdoppelt. Das Durchschnittsalter ist niedriger als in anderen Trappistenklöstern in Europa.

Klosterkirche Novy Dvur
 Das Leben der Trappisten in Novy Dvor ist hart und kompromisslos. 
Ein Mönch sagte: 

"Wir dürfen einen Fehler nicht machen, 
wir dürfen uns nicht ändern, nur damit wir junge Leute anziehen.
Im Gegenteil: Wer nicht so leben will, wie wir leben, 
gehört nicht hierhin."

Gottesmutter mit Kind 12. Jh. Frankreich, heute Novy Dvur
Mehr Informationen unter:   http://www.novydvur.cz/de/day.html

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Annehmen

Ein Bruder besuchte einen Einsiedler; und als er ihn verließ, sagte er:
"Verzeih mir, Vater, dass ich dich von deiner Ordnung abgehalten habe."
Jener antwortete ihm:
"Meine Ordnung ist, dass ich dich in Gastfreundschaft empfange und in Frieden gehen lasse."
(Heinz-Mohr: Weisheit aus der Wüste, Köln 1985, S. 71) 

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Samstag, 22. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (5)


Im Alten Bund

Der Ursprung des Stundengebetes ist in der Offenbarung des Alten Testamentes zu finden. Seine ersten Bücher sind mehr als bloße Geschichtsbücher Israels. Sie geben vielmehr davon Kunde, wie Gott in Israel eine Ordnung des Betens und Lebens aufgerichtet hat („Tora“). Sie sollte weithin in die Heidenwelt hinein leuchten und zugleich ein Vorausbild des wahren Kultes Christi und der Kirche darstellen. Dabei bilden die teilweise minutiösen Bestimmungen zum Kult keinen Fremdkörper in den erzählenden Teilen, sondern deren innerste Mitte. Denn inmitten des Volkes Gottes wohnt der Herr, ihr Gott: „Sie sollen erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott bin, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, um in ihrer Mitte zu wohnen“ (Ex 29,46). Um die Augen für die Gegenwart Gottes zu öffnen, die Herzen zu ihm zu erheben und sein Gedächtnis wachzuhalten, wandert das Offenbarungszelt, der Altar und das Priestertum Aarons mit Israel durch die Wüste. Einst wird es im Jerusalemer Tempel seinen festen Ort finden. Dieser ist selbst wieder das Vorbild für den Leib Christi, den er am Kreuz dahingegeben hat.

Vor diesem Offenbarungszelt nun werden täglich auf dem Altar am Morgen und zur Abenddämmerung ein Lamm und vegetale Opfer dargebracht, Feinmehl mit Olivenöl und Wein; dabei werden Duftstoffe verbrannt und abends Lampen vorbereitet und entzündet (vgl. Ex 29,38-42; Num 28,3-8; Ex 30,7f.; 1 Chr 23,30f.; zum Abendopfer vgl. Ps 140,1f. und Dan 9,20f.). „Tagtäglich und ständig“ (Ex 29,38) sollen diese Ganzopfer (holocausta) von den Priestern und Leviten dargebracht werden. Doch das Opfer geschieht nicht stumm, sondern unter Gebeten; die Gläubigen unterwerfen sich nicht blind den dunklen Wegen Gottes. Ganz im Gegenteil, erst beim Opfer gehen ihnen die Augen auf, denn das Offenbarungszelt ist ja der Ort der Erkenntnis, der Pläne Gottes. Eindrucksvoll hält der Psalmvers diesen Moment fest, bei dem der Beter aus aller Verwirrung über den Erfolg der Gottlosen auftaucht in der Klarheit und Wahrheit Gottes: „[…] bis ich eintrete in das Heiligtum Gottes, und Einsicht gewinne in das letzte Schicksal jener. – […] donec intrem in sanctuarium Dei, et intelligam in novissimis eorum.“ (Ps 72,17).
(5. Wollbold, a.a.O.)

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Freitag, 21. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (4)


Göttliche Herkunft des hl. Offiziums

Liturgie ist cultus divinus, und zwar auch im Sinne des Gottesdienstes, der von Gott selbst geschaffen wurde. Der hl. Basilius spricht die einhellige Überzeugung der Kirche aus, dass ihre Liturgie nicht Menschenwerk, sondern von Gott geoffenbart ist. Gewiss haben sich einzelne Teile geschichtlich entwickelt. Dennoch wäre es ein Fehlschluss, den Gottesdienst damit als dem menschlichen Schalten und Walten unterworfen zu verstehen. Selbst die Liturgiereform im Anschluss an das II. Vaticanum hatte sich zunächst ja nur zum Ziel gesetzt, die ursprüngliche Form zu bewahren und den Gläubigen nahe zu bringen, und es gehört zu ihrer Tragik, dass sie dazu beigetragen hat, eben diese Form zu zerstören. Auf jeden Fall gilt: Gott kann nur so in rechter Weise angebetet werden, wie er selbst es offenbart. „Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden“ (Joh 4,23). Die Heiden machen ihr Gebet, denn ihr gegenüber sind Machwerke von Menschenhand (vgl. Ps 113,12); Gott selbst aber schenkt seinen Gläubigen das wahre Gebet und den wahren Kult. Liturgie als Gottesgeschenk, das gilt nicht nur für die hl. Messe, sondern auch für das hl. Offizium, also das liturgische Gebet zu den verschiedenen Stunden des Tages und der Nacht. In der Tat enthält gerade das römische Brevier in seiner Herkunft, seinem geistlichen Sinn und in allen seinen Teilen nicht Menschenwort, sondern Wort Gottes aus der Heiligen Schrift und der Tradition.
(4. Wollbold, a.a.O.)

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Donnerstag, 20. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (3)


„Singt mit Einsicht“

Dennoch betet man natürlich besser, wenn man die Bedeutung der Worte auch begreift. Aus diesem Grund gab es nicht zuletzt für die Frauenklöster auch bereits in früheren Jahrhunderten Lateinkurse ebenso wie muttersprachliche Ausgaben des Breviers. Letztere wurden natürlich nicht liturgisch gebraucht, sondern sie sollten der Vorbereitung auf das hl. Offizium dienen. „Psalliter sapienter. – Singt Psalmen mit Einsicht!“ Denn zu Recht erhält zwar die hl. Messe in der alten Form viel Aufmerksamkeit. Deutlich weniger Beachtung findet dagegen das officium divinum in der alten Form, was ja bekanntlich ebenfalls durch das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ erlaubt wurde. Die folgenden Erläuterungen sollen dazu beitragen, dass das hl. Offizium verständig vollzogen wird, und zwar von zum Brevier verpflichteten Klerikern und Ordensleuten, aber nicht weniger auch von interessierten Laien.
(3. Wollbold, a.a.O.)

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Mittwoch, 19. Januar 2011

Liebe: Sehen und Hören, Spüren und Verstehen

Karmelitinnen

Gestern habe ich dieses Video gefunden. Es zeigt spanische Karmelitinnen in ihrem Karmel. Die Bilder gefielen mir. Aber auch die unterlegte Musik. Den Text habe ich nicht verstanden, fühlte aber, dass er etwas schönes ausdrücken würde. Josef Bordat hat inzwischen diesen wunderschönen Text in unsere Sprache übertragen. Doch zunächst das Video:




Ein wundervolles Lied

Ist Liebe da, ist das Leben wunderbar.
Die Landschaft ist schön, in Farbe.
Es ist herrlich, sich jemandem ganz hinzugeben,
aus Liebe, aus Liebe.

Zu zweit ist der Weg kürzer.
In der Hitze ist es leichter, dahinzuschmelzen.
Zu vergeben ist besser als „Sorry“ zu sagen,
es ist besser, es ist besser.

Aus Liebe fällt es leicht, lächelnd zu verzichten und alles zu geben.
Aus Liebe fällt es leicht, lächelnd deinen Feind zu umarmen.
In Liebe ist es leichter, Einsamkeit zu leiden.
In Liebe ist es leichter, in Freiheit zu leben.

Küsse sind köstlich, in Liebe.
Hände sind herrlich, in Liebe.
Augen strahlend schön, wenn sie alles sehen
mit Liebe, mit Liebe.

Aus Liebe fällt es leicht, lächelnd zu verzichten und alles zu geben.
Aus Liebe fällt es leicht, lächelnd deinen Feind zu umarmen.
In Liebe ist es leichter, Einsamkeit zu leiden.
In Liebe ist es leichter, in Freiheit zu leben.

(José Luis Perales: „Por Amor“, Übertragung: Josef Bordat)

Es hermosa la vida si hay amor
es hermoso el paisaje si hay color
es hermoso entregarse por entero a alguien
por amor, por amor.

Es más corto el camino si somos dos
es más fácil fundirse si hay calor
es mejor perdonarse que decir lo siento
es mejor, es mejor.

Por amor es  fácil renunciar y darlo todo sonriéndote
por amor es fácil abrazar a tu enemigo sonriéndole
por amor es más fácil sufrir la soledad
por amor es más fácil vivir en libertad.

Son hermosos los besos si hay amor
son hermosas las manos si hay amor
son hermosos los ojos cuando miran todo
con amor, con amor.

Por amor es fácil renunciar y darlo todo sonriéndote
por amor es fácil abrazar a tu enemigo sonriéndole
por amor es más fácil sufrir la soledad
por amor es más fácil vivir en libertad.

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Sr. Maria-Gabriella, Trappistin

Ein Beitrag zur Gebetswoche für die Einheit der Christen

Der katholische Priester Paul Couturier, der den Kartäusern nahe stand, aber dann Oblate einer benediktinischen Gemeinschaft wurde, war es, der den Gedanken einer ökumenischen Gebetswoche neu entfachte. Nachdem diese Gebetswoche 1908 von Vertretern protestantischer Gemeinschaften  ins Leben gerufen wurden, und daraufhin eine solche Gemeinschaft in die katholische Kirche übertrat, stockten weitere Aktionen, weil sich orthodoxe und protestantische Christen nicht imstande sahen an einer solchen Gebetswoche teilzunehmen. Erst 1932 kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Couturier begeisterte sich an dem Wort von Kardinal Mercier: „Um sich zu vereinigen muss man sich lieben. Um sich zu lieben muss man sich kennen. Um sich kennenzulernen muss man zusammenkommen.“ 

Nun sollte die Weltgebetswoche bei allen Christen auf drei Pfeilern ruhen:
1. Ein Schuldbekenntnis, -  2. Das Gebet um die Einheit,  - 3. Respektierung der Bekenntnisse und Traditionen. Dieser eifrige Priester lud vor allem die beschaulichen Orden ein, sich an der Gebetswoche zu beteiligen. So kam die Einladung 1936 in die Trappistinnenabtei Grottaferrata (südl. v. Rom).

Die 77jährige Sr. Immaculata Scalvini war von diesem Gedanken ergriffen und wollte „ihr bisschen Leben Gott anbieten“. Bei ihrem Sterben am folgenden 25. Februar war eine junge Nonne zugegen. Sie nahm sich Sr. Immaculata zum Vorbild: Sr. Maria-Gabriella Sagheddu, die ein Jahr später ihr irdisches Leben vollenden wird. Es kommt zu zahlreichen Besuchen anglikanischer Mönche in Grottaferrata. Auch Roger Schutz und Max Thurian von Taize treten in Beziehung mit dem Trappistinnenkonvent. Der ökumenische Horizont weitet sich innerhalb der Gemeinschaft.

Gabriella wurde am 17. März 1914 auf Sardinien geboren. Sie wird als schwieriges und trotziges Kind beschrieben.  Am 30. September 1935 ist sie in das Kloster eingetreten und legte am Christkönigsfest, am 31. Oktober 1937 ihre ersten Ordensgelübde ab. Zu Beginn des folgenden Jahres brachte Gabriella ihre Ganzhingabe dem Herrn dar, in die Gebetswoche „für die Einheit der Christen“. Bald darauf diagnostizierten Ärzte bei ihr Lungentuberkulose. Sie lag mehrere Wochen einem Krankenhaus in Rom. „Der Herr hat mir diesen Schatz gegeben, diese Krankheit, und ich möchte ihn mit niemandem teilen“ sagte sie zu einer Mitschwester kurz vor ihrem Tode, wieder in ihr Kloster zurückgekehrt. In dem ökumenischen Dialog war Sr. Maria-Gabriella kaum beeindruckt. Sie betete und opferte. Ein Mönch eines anglikanischen Klosters schrieb: “… bitte erlauben sie mir, einem ihrer getrennten Brüder, ihnen aus tiefstem Herzen für das Opfer zu danken, das sie für die Einheit der Christen darbringen.  … Ich kann ihnen versichern, dass jetzt, wo sie sich Stunde um Stunde mehr der göttlichen Liebe anvertrauen, ihre Brüder durch ihr Opfer die Größe und faszinierende Anziehungskraft des Heiligsten Herzens Jesu neu verehren. …“
Sr. Maria-Gabriella, 17.3.1914 - 23.4.1939, Trappistin

Die Leidenszeit für Gabriella war lang und schwer. Der Herr holte sie zu sich am Sonntag des Guten Hirten, am 23. April 1939.

Papst Johannes Paul II. sprach sie selig am 25. Januar 1983. 
Ihr Gedenktag ist am 22. April.

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Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (2)


Auf Latein beten?

„Psalliter sapienter. – Singt Psalmen mit Einsicht!“ (Ps 46,8), so fordert der Psalter die Beter auf. Natürlich ist das Psalmengebet, der wichtigste Bestandteil des Offiziums, auch dann echtes Gebet, wenn man es nicht versteht. Teile des lateinischen Offiziums wurden beim christlichen Volk populär, so die Trauermetten an den Kartagen, die Vesper am Sonntagnachmittag sowie mancherorts die Komplet am Abend oder Vorabend des Sonntags. Dabei sangen gestandene Chorsänger, also Laien ohne Theologie- und Sprachstudium, das Latein der Antiphonen, Hymnen, Gebete und Psalmen in gregorianischen Tönen und Melodien. Dass dies inzwischen selbst in vielen monastischen Orden nicht mehr zu finden ist, gehört zum großen Kult- und Kulturverlust der jüngeren Vergangenheit. Umso vielversprechender aber ist es, wenn gerade die Vesper in der alten Form wiederbelebt wird. Und wer weiß, wie viel Segen das Stundengebet der Ordensschwestern, die es jahrhundertelang in lateinischer Sprache verrichtet haben, gebracht hat?

Wenn ich die Gebete, die ich verrichte, nicht verstehe, sind sie darum auch ohne Wirkung?“, fragt ein Einsiedler den hl. Antonius. „Nein, mein Sohn“, antwortete der Heilige. „Gott vernimmt sie, und er kommt zu dir. Der Teufel vernimmt sie, und er flieht. In den Augenblicken, da die Seele am besten betet, ist ihr kaum bewusst, was sie betet. Zeuge dessen ist der hl. Petrus auf dem Tabor: „Er wusste nämlich nicht, was er sagte“ (Mk 9,5).“
(2, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 11-20)

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Dienstag, 18. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (1)

Brevier und Offizium im „außerordentlichen Ritus“

Wenn von der „tridentischen Liturgie“ gesprochen wird, oder seit dem Motu Proprio Papst Benedikts XVI. „Summorum pontificum“ von der „außerordentlichen“ Liturgie, dann verbinden wir dies gewöhnlich mit der Feier der Heiligen Messe. Entweder, wie es heißt, im „alten Ritus“ oder aber im „neuen, nachkonziliaren Ritus“. Schon diese Einteilung ist fragwürdig. Ist doch die Liturgie der römisch-katholischen Kirche ein heiliges Geschehen, gewachsen aus der Offenbarung und der Tradition.
Die Liturgie der Kirche besteht aus der Heiligen Messe und aus dem Göttlichen Offizium, dem Brevier der Priester und dem Chorgebet der Ordensleute. Sicher auch das Sacramentale. Doch das hl. Offizium findet nur selten Erwähnung. Professor Dr. Wollbold, Ordinarius für Pastoraltheologie der Ludwigs-Maximilians-Universität München, ist in einem Aufsatz in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „una voce-korrespondenz“ diesem Umstand nachgegangen.

Mit der Erlaubnis von Professor Dr. Andreas Wollbold veröffentliche ich in Teilen diesen Aufsatz.
(Eventuelle Einfügungen und Unterstreichungen stammen von mir.)
(1)

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Montag, 17. Januar 2011

Volto Santo, Manoppello

"Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Foto: Paul Badde

Die Fakten liegen auf dem Tisch. 
Man muss sie nur zur Kenntnis nehmen. 
(Sr. Blandina OCSO)

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Wüstenvater Antonius

17. Januar: Mönchsvater Antonius

Die Belehrungen und Ermahnungen, die Antonius den Besuchern zu wiederholen pflegte, können als überzeitlich gültig bezeichnet werden und nehmen bereits manche Punkte vorweg, die unauslöschlich mit der späteren Regel des heiligen Vaters Benedikt verbunden sind. Allen Weisungen voran steht die Forderung, Gott zu vertrauen und ihn zu lieben. Ferner werden die Ratsuchenden gemahnt, sich vor schmutzigen Gedanken und fleischlichen Lüsten zu hüten und jeder Ruhmsucht zu fliehen. Gegen diese Versuchungen und Gefahren weiß der Asket auch die richtige Arznei zu verordnen: So nennt er das beständige Gebet, den Psalmengesang vor und nach dem Schlafen, das einprägen der göttlichen Gebote, die Erinnerung an die Taten der Heiligen und deren Nachahmung. Außerdem betonte Antonius das Wort des Apostels Paulus: "Die Sonne möge nicht untergehen über eurem Zorn!", und weitete es auf alle sündigen Handlungen aus. Um all dies verwirklichen zu können, ist die tägliche Gewissenserforschung unerläßlich.
(nach: Görg, P.H.: Die Wüstenväter, St. Ulrich-V.2008, S. 66)

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Sonntag, 16. Januar 2011

Die Heilige Messe, 5



V. Das Erbarmen und die Herrlichkeit

Kyrie und Gloria
Die beiden Themen, die immer wieder in der Hl. Messe aufscheinen wie die Leitmotive einer Sinfonie, sie sind hier einander zugesellt in zwei Gebeten, die einander vervollständigen: im Kyrie und im Gloria. Gott verherrlichen und ihn anflehen, das sind die beiden religiösen Absichten des Menschen. Weil wir wissen, dass Er die Allmacht ist, deshalb bitten wir Ihn um Erbarmen für uns. Die Bewegung des Priesters, der die Hände ausbreitet,  sie dann emporhebt und sie schließlich faltet, drückt die Absichten aus, die den Aufschwung zu den himmlischen Dingen anspricht und mit verdoppelter Inbrunst das Heil erfleht.

Während drei mal der dreifache Ruf zu Dir aufsteigt, aus der Tiefe der Jahrhunderte und der Seelen, dieser Schrei der Sehnsucht, dieses Flehen um Verzeihung,
während der Chor der Engel und die längst vergangenen Stimmen unserer Glaubensbrüder Deiner Größe zujubeln und Dir im Namen Deiner eigenen Herrlichkeit Dank sagen,
gewähre mir nur dies, o Herr, dass in meiner befriedeten Seele Dein Schweigen sich ausbreite, dieses Schweigen, in dem ich Deine Gegenwart erkenne,
damit ich in dieses Schweigen die einfachen Worte spreche: „Mein Gott, ich flehe Dich an; mein Gott, ich bete Dich an; mein Gott, hab Erbarmen.“ – denn darin ist alles gesagt.

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Samstag, 15. Januar 2011

Aphorismen

Josef Bordat schreibt ähnlich präzise wie Nicolás Gómez Dávila

hier einige Beispiele:


Man kann keinen Menschen mit Beweisen von Gott überzeugen,
doch man kann jeden Menschen durch Bezeugen an Gott überweisen.

Jesus ist der Weg, der uns zur Wahrheit führt, zu Gott.
Damit ermöglicht Er uns das Leben, das Gott für uns vorgesehen hat: ein Leben in Fülle.

Gott erfüllt keine Wünsche, Er erlöst vom Wünschen.
Gott stoppt nicht den Zweifel, Er bewahrt vor Verzweiflung.
Gott verhindert kein Leid, Er sorgt dafür, dass wir es ertragen können.

Barmherzigkeit bedeutet Nachsicht – nicht gegenüber allem, aber gegenüber jedem.

Wenn Gott zu uns spricht: „Mein ist die Rache“, dann bedeutet das eben: Nicht Dein.

Es gibt keinen Gewaltakt des Menschen, der gottgewollt ist.
Daher kann der Mensch keinem größeren Irrtum unterliegen als zu glauben, für einen Akt der Gewalt mit Gottes Segen rechnen zu dürfen.
(alle Josef Bordat)

Und hier kann man alles von ihm lesen:

http://jobo72.wordpress.com/

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Freitag, 14. Januar 2011

Abbaye St. Benoit En Calcat (1958)

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Donnerstag, 13. Januar 2011

Ruhe und Frieden

Lass dir ruhig 
so viel Zeit in der Kirche, 
wie du nötig hast
um Ruhe und Frieden 
zu finden. 

Das kommt dann 
nicht bloß dir zugute, 
sondern auch der Arbeit 
und allen Menschen,
mit denen du zu tun hast.
Hl.Edith Stein (1891-1942)

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Kleine Heiligkeit

Eine größere Liebe

...läßt sich nicht finden als die:
sein Leben einzusetzen für seinen Nächsten.
Denn wenn einer ein böses Wort zu hören bekommt, das heißt ein wehtuendes, und er mit einem ähnlichen antworten könnte, aber kämpft, es nicht zu sagen - oder, 
wenn er übervorteilt wird und es erträgt und ihm nicht wieder vergilt - 
ein solcher gibt seine Seele hin für seinen Nächsten.
(Heinz-Mohr: Weisheit aus der Wüste, Köln 1985, S. 70)


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Mittwoch, 12. Januar 2011

Heute Heilig?


Papst Johannes Paul II. und die Heiligkeit

Sobald Papst Johannes Paul II. gestorben war, riefen viele Verehrer: santo subito. Sie meinten damit, dass er schnell Selig- und Heiliggesprochen werden soll. Natürlich wissen wir, dass so etwas in unserer Kirche ein wenig dauern kann. Und dennoch gab es ständig Spekulationen darüber. Zuletzt wartete man nur noch auf ein entsprechendes Wunder, das dem vorherigen Heiligen Vater zugesprochen werden kann. Vor wenigen Tagen war es soweit. Die Medien meldeten, das Wunder, eine Heilung, sei geschehen. Die Seligsprechung könne noch in diesem Jahr erfolgen.

Das Wunder, eine Heilung, dann die Heiligsprechung?  Ist die Heiligkeit eines Menschen abhängig von einer Wunderheilung? Belassen wir es bei der Feststellung, dass es in den ersten Jahrhundert Heiligsprechungen im kanonischen Sinne noch nicht gab, sondern erst ab dem 10. Jahrhundert.

Was also macht Heiligkeit aus? Wer ist ein Heiliger? In der frühen Kirche waren es sicher die Märtyrer, die als Heilige als Fürsprecher angerufen wurden. Ihre Reliquien wurden verehrt, in Kirchen und Altären beigesetzt.

Heute leben wir in einer Zeit, in der ein weitverbreiteter Personenkult herrscht. Es wimmelt nur so von Vorbilder: Musikstars, Filmsternchen, Sportassen usw., sie alle werden wie Heilige verehrt. Dabei wird nicht immer versucht ihnen oder ihre Leistung nachzuahmen. Autogramme zu bekommen ist noch das Wenigste. Man möchte sie berühren, bei ihnen sein, ihnen nahe kommen.

Heilig. Dieses Wort wird wie viele andere Begriffe aus der christlichen Sphäre säkular verwendet. Denken wir an den Fußballgott, den himmlischen Geschmack oder an den Schutzengel der Kranken- oder Lebensversicherung. Man kann sich auch fragen, was es auf sich hat, wenn Menschen die Religion verballhornen, beleidigen, an den Pranger stellen und sich an Karneval mit dem Papstkostüm oder einer Schwesterntracht verkleiden.

Zurück zum „alten“ Papst. Ich habe ihn nicht persönlich kennengelernt. Wenn ich ihn verehre, dann nicht wegen einer Heilung, die nach seinem Tode erfolgt ist. Es ist eher sein Leben und vor allem sein Sterben, welches Heiligkeit ausgestrahlt hat. Oder, wenn mir Menschen erzählen, dass sie wegen ihm, wegen seinem Zeugnis, das er gegeben hat, wieder zum Glauben gefunden haben. Das zeigt mir, dass da mehr sein muss als profane Begegnung. Da ist Heiligkeit im Spiel. Und dann können wir vielleicht auch ahnen: Heilig sein ist möglich, auch wenn wir Sünder bleiben.

Martin Mosebach geht in seinem Essay „Was ist katholische Literatur“ der Frage nach dem Heiligen, der Heiligkeit nach. Daraus zitiere ich einige Sätze (Hervorhebungen von mir):

„…heilig kann der Mensch mit seiner gefallenen, erbsündlich geschädigten Natur nicht werden, einerseits – andererseits kann er aber irgendwie doch – man verzeihe mir die saloppe Formulierung, die ganz bewusst die argumentativen Brücken zwischen diesen beiden Polen vermeidet. 

Der Heilige  ist eine Evidenz – es gibt ihn, obwohl es ihn eigentlich gar nicht geben kann. Er ist die Wirklichkeit, und die Kunst ist dazu da, Wirklichkeit zu spiegeln, Wirklichkeitsgefühl zu erzeugen, die Augen für Wirklichkeit zu öffnen. Für die Wirklichkeit des Heiligen gibt es eine Kunstform, die ihrem Wesen vollendet gerecht wird: die Ikone. Die Größe des heiligen ist von der Größe einer sogenannten welthistorischen Gestalt wesentlich unterschieden, auch wenn es eine Reihe von Heiligen gibt, die erheblichen Einfluss auf die Weltgeschichte ausgeübt haben, man denke nur an die Ordensgründer Benedikt, Franziskus und Ignatius. 

Profane welthistorische Größe besteht neben der Wirkung, die sie hinterlässt, in der Persönlichkeit. Heiligkeit ist aber auch ohne irgendeine weltliche Wirkung vorstellbar und besteht nicht in der Ausformung der Persönlichkeit, sondern genau genommen in ihrer Auslöschung. Was an Individualität und eigentümlichem Charakter beim Heiligen nach einem Erdenwandel übriggeblieben ist, gehört zum unwichtigsten Teil seiner Person. Was an ihm heilig ist, ist gleichsam ausgeglüht und nicht mehr ganz von dieser Welt.
(Martin Mosebach: Schöne Literatur, dtv 2009, 114f)

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Dienstag, 11. Januar 2011

Die Heilige Messe, 4


IV. Das Kreuzzeichen beim Introitus

Das Kreuzzeichen
Nachdem sich der Zelebrant auf die rechte Seite des Altares begeben hat, liest er im Meßbuch ein kurzes Gebet. Es ist der Introitus, der Eingang, das „Ingressa“ der Ambrosianischen Liturgie. In der frühen Zeit war der Introitus ein  feierlicher Zug zum Heiligtum, wo die Heilige Messe gefeiert wurde.  Es war gewissermaßen eine Einführung in das Festgeheimnis des Tages. Unser abgekürzter symbolhafter Introitus hat jedoch seine Bedeutung als geistliche Einführung bewahrt. Er ändert sich bei jeder Heiligen Messe und charakterisiert in wenigen Worten das liturgische Geheimnis des Tages. Und in dem Augenblick, in dem der Priester die Worte des Introitus ausspricht, macht er das heilige Zeichen,  macht er jene Bewegung, die die Fülle der Geheimnisse in sich schließt: das Zeichen des Kreuzes.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. – Laß mich, o Herr, dieses Zeichen, das meiner Hand so vertraut ist, daß es oft genug Anlaß zur Nachlässigkeit gibt, hier so vollkommen ausführen, als machte ich es zum ersten Male, in all seiner Bedeutungsfülle, mit aller Entdeckerfreude.
An der Schwelle dieser Heiligen Messe, im Angesicht Deines Opfers, möge es mir jenes Kreuz in die  Gegenwart meines Herzens rufen, das mich loskauft. Möge es mein Leben Deinem menschlichen Leben zugesellen, meine Leiden denen, die Du auf Dich genommen hast, und den Tod, den ich voller Furcht erwarte und erleide, jenem Opfertode, den Du aus Liebe gewollt und vollendet.
Gewähre, Herr, daß dieses einfache Zeichen sich erfülle mit dem Geheimnis der drei unaussprechlichen Namen, auf meinen Lippen, gewähre mir, daß Deine drei Personen über meinen Willen, über mein Herz und über den Flug meiner Seele verfügen, daß die Gnade des Sohnes meine Kraft sei und mich hinführe zu Dir, o Vater, in der Gewißheit und im Licht des Geistes.
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes: Von der Stirn zur Brust, o Herr, von der Schulter zur Schulter, laß dieses vollkommene Zeichen all meine Gedanken zusammenraffen, laß es mein ganzes Wesen einhüllen, und der sündige Mensch, dessen ganzes Elend nur Du wirklich kennst, möge erfahren, wie er von Dir gesegnet, befriedet und geheiligt ist.

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Montag, 10. Januar 2011

Die Heilige Messe, 3


III. Der Altarkuss

Der Priester steigt zum Altar empor

Die Gebete zu Füßen des Altares waren nur ein Beginn: nun steigt der Priester die Stufen empor. Ein paar Verse, demselben 84. Psalm entlehnt, der so überquillt von Vertrauen. Derr Herr möge seine Seele reinigen, die sich anschickt, in das Heiligtum einzutreten. Der Priester steht vor dem Altar, dem heiligsten Gegenstand in der Kirche, ihrem Mittelpunkt, ihrem Gipfel. Der Zelebrierende vollzieht einen religiösen Akt, er berührt mit seinen Lippen den Altar. Dieser Kuss ist das Zeichen der Vereinigung, nichts anderes als die Vereinigung der Kirche mit ihrem Herrn, der Seele mit ihrem Erlöser.

Wie Dein Altar, o Herr, mitten im Herzen dieser Kirche steht, im vollen Licht, erhaben aufgerichtet, in der Einsamkeit geistiger Gewißheit, so gewähre auch mir daß der Gedanke an Dich in meinem Herzen den ersten, zentralsten und erhabensten Platz einnehme.
Wie dieser Tabernakel deine Gegenwart beschützt, die lebendige, durch die Fülle unseres Glaubensbekenntnisses gewisse Gegenwart, so gewähre es mir, daß meine Seele Dich erfährt, unabweisbar, daß sie dich erkennt, o Gott, der Du mir inniger nahe bist als ich mir selbst.
So wie dieser Tisch die Erinnerung an Deine Blutzeugen einschließt, die Reliquien Deiner Heiligen, diese Unterpfänder der Fortdauer, so laß mich meine Zugehörigkeit zu Deiner Kirche fühlen und laß meine Seele sich ihrer Treue vereinen.
Wie der Priester, niedergebeugt vor der Größe und dem Geheimnis, sich fromm vor Deinem Altar verneigt, so laß auch mich meine Kleinheit und Deine Herrlichkeit erkennen, gewähre mir, daß ich den törichten Hochmut besiege, ich selbst zu sein, auf daß ich ganz aufgehe in dem, der allein Wahrheit ist.
Und so wie dieser Kuss ein Gelöbnis der Liebe ist, das Versprechen einer Vereinigung, neben der all e irdischen Vereinigungen nichtig sind, so mache, o Herr Jesus, daß ich, vor dem inneren Altar meiner Seele, Dich liebe, Dich besitze und nur noch eins sei in Dir.

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Sonntag, 9. Januar 2011

Das Gnadenbild von Dieburg, 2

Die Schmerzensmutter in der Gnadenkapelle zu Dieburg


Mutterschmerz

Ihr  toter Sohn Jesus trägt noch die Dornenkrone auf Seinem Haupte. Gerade hat man Ihn Ihr auf den Schoß gelegt; Sein Blut ist dabei auf Ihr Haupt getropft. Seinen Oberkörper, übersät von Blut und Wunden, nimmt Sie sanft an Ihre Brust. Ihr und Ihres Sohnes Kopf sind sich sehr nahe. Die innere Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn kommen deutlich zum Vorschein. Mariens Antlitz ist geschützt durch den weit nach vorn reichenden Schleier. Ihre Gesichtszüge lassen deutlich Ihren Mutterschmerz erkennen. Maria, die Mutter, umhüllt den toten Sohn mit Ihrer ganzen Mutterliebe; sichtbar in Ihrem weit ausgebreiteten Mantel. Auch wir empfinden den Gegensatz zwischen nacktem Schmerz und überreichem, kostbaren Gewand. Jesu Wundmale und Blutspuren sind stark hervorgehoben. Selbst über Ihre Hand rinnt noch Sein Blut.


Abschiedsgebet vom Gnadenbild

Noch einmal erscheine ich vor deinem ehrwürdigen Bildnis, o schmerzhafte Mutter Maria, und sage dir herzlichen Dank für das Glück, daß ich dich hier besuchen durfte, und für alle Gnaden, welche durch deine mütterliche Hand mir hier zuteil geworden. Verzeihe, o liebevolle Königin, die Lauheit und Zerstreutheit meiner Andachtsübungen und bewirke gnädig, daß diese Wallfahrt mir zum andauernden Segen gereiche. Hilf mir, daß ich fortan mit größerem Eifer für mein Seelenheil sorge, mit frischem Mut die Arbeiten meines Berufes wieder aufnehme, mit erneutem Eifer dich verehre, anrufe und dir nachahme, und laß mich nie die guten Vorsätze vergessen, welche ich an dieser dir geweihten Stätte gefaßt habe. O treueste aller Mütter, bei deiner allerzärtlichsten Liebe zu deinem göttlichen Sohne bitte ich dich, laß es nicht geschehen, daß ich dich und deinen lieben Sohn je wieder durch eine schwere Sünde beleidige. Lieber möchte ich hier zu deinen Füßen sterben als jemals die heiligmachende Gnade verlieren und dem geistigen Tode anheimfallen.
(Aus einem Wallfahrtsbüchlein von 1891)

 Hauptwallfahrtstag: Maria Geburt, 8. September
 

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Samstag, 8. Januar 2011

Das Gnadenbild von Dieburg, 1

Dieburger Gnadenbild, seit 1498 in der Gnadenkapelle

Das Gnadenbild von Dieburg stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1420. 1998 fand die 500-Jahrfeier statt, seit die Pieta durch einen Mainzer Bischof im Jahre 1498 geweiht wurde. Gleichzeitig wurden Reliquien hinterlegt und ein Ablass gewährt.

Die Pieta befindet sich in dem 1749 auf Grund eines Gelübdes des Mainzer Erzbischofs gestifteten Hochaltar, der im Rokokostil gestaltet wurde. Für das Gnadenbild wurde eine Nische ausgespart, worüber das Wappen der Familie des Erzbischofs, mit dem Spruchband EX VOTO (auf Grund eines Gelübdes) prangt. Das Gnadenbild steht oberhalb des Tabernakels.

Das Vesperbild, die Pieta oder das Gnadenbild, das in den 60er Jahren untersucht und restauriert wurde, war den Fachleuten ein kunstgeschichtliches Rätsel. Das vollendete Meisterwerk, das auf der Höhe der Gotik steht, war innen hohl. Die Pieta ist nicht aus Holz geschnitzt. Die sichtbare Außenseite des Kunstwerkes besteht aus verschiedenen Materiallagen. Zuinnerst befindet sich eine lederne Grundform, darüber liegen Stoffstreifen, die mit Ton und Bindemitteln verarbeitet sind. Erst darauf wurde die Polychromierung aufgetragen. Wundmale und Blutbäche sind besonders bei der Bemalung hervorgehoben. Besondere Sorgfalt ist auf den Saum des Mantels verwendet worden. Er ist aus Tonmodeln in Reliefbildern (Löwe, Adler, und gotische Ornamente) abgeformt. Der Saum trägt noch eine Vergoldung. Arme und Beine der Christusfigur sind geschnitzt.

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Freitag, 7. Januar 2011

Zum schmunzeln und wundern

Benediktinerinnenabtei Mariendonk

Die Abtei hatte bis vor einiger Zeit diese Anschrift:
Abtei Mariendonk
Niederfeld 11
47906 Kempen

Seither kann man vermuten, die Schwestern seien umgezogen, oder?

Die neue Anschrift lautet nämlich:
Abtei Mariendonk
Niederfeld 11
47929 Grefrath

Was ist also geschehen?

Die Schwestern wohnten seit der Gebietsreform in NRW in Grefrath, nämlich in der vorher selbstständigen Gemeinde Mühlhausen. Durch die Reform in erhielten die frommen Frauen jedoch die Postleitzahl von Kempen mit der Begründung, sie hätten auch die Telefon-Vorwahl von Kempen. Inzwischen sind einige schöne Jahrzehnte vergangen, ohne dass größere Probleme aufgetaucht wären. Aber die schöne neue Welt deckte Schwächen im durchorganisierten deutschen Behördenchaos auf.
Seite der Einführung der Navigationsgeräte in den Fahrzeugen, finden die Anreisenden die Abtei nicht mehr. Mit der Postanschrift Kempen ist Niederfeld 11 nicht zu finden. Um das zu erreichen muss die Postanschrift von Grefrath mit Niederfeld 11 eingegeben werden. Nur so erreicht der Besucher sein frommes Ziel.




Es ist schön hier zu stöbern.


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Die Heilige Messe, 2


II.  CONFITEOR

Allgemeines Schuldbekenntnis

In dem Augenblick, in dem die Seele von der Freude empor getragen werden will, fühlt sie in ihrem Inneren eine Kraft, die sie zurückhält. Es ist die Sünde. Als öffentliches und als gemeinsames Gebet, bei dem die Sünde,  die nun nicht mehr die Angelegenheit eines einzelnen ist, vor das Antlitz der ganzen Kirche gerufen wird, vor die Heiligen, die Blutzeugen, ja sogar vor die Mächte des Himmels, gibt das Confiteor der Messe zum ersten mal die Bedeutung der Gemeinschaft, der Kommunion. Und die Hand, die drei mal an die Brust schlägt, die Culpa, diese alte biblische und monastische Gebärde, erleichtert in der Reue die beängstigende Traurigkeit des Sünders.

Alle Himmelsmächte sind da, alle die stets gegenwärtigen Vorbilder, nicht nur Er, dem nichts verborgen ist, nicht nur die geheimnisvolle Hellsicht Seiner Engel, sondern auch diese Männer und Frauen, die den Mut aufgebracht haben der Liebe gemäß zu leben, die Heiligen und die Märtyrer.
Und ich, ich bin vor ihnen der Angeklagte; was vermag ich der Stimme zu antworten, die sich erheben wird und mich nach meiner Schuld fragt? Die Gewissheit meiner Schuld schnürt mir die Kehle zusammen, sie verbietet mir jede Verteidigung.
Da sind meine Taten, selbst jene, die keine menschliche Gerechtigkeit mir vorwirft, von denen ich aber dennoch weiß, dass sie armselig, verdächtig oder noch schlimmeres waren. Da sind meine geheimen Gedanken, diese Niederungen von Elend und Verworfenheit unter der Maske des gewissenhaften Ehrenmannes. Und da ist alles, was ich nicht getan habe, mein Abseitsstehen, meine Feigheiten, meine Heimlichkeiten, all die drückende Last meines stillen Mitschuldigseins.
Möge doch das Zeichen der Reue an meiner Brust dreimal mein Herz erschüttern, möge es meine in tödlichen Schlaf versunkene Seele aufwecken, sie zurückrufen zu dem, was ihr nottut!
Aber auch das Geheimnis ist da, das Geheimnis der Barmherzigkeit. Alle diese Vorbilder, diese Mächte, die zum Gericht versammelt sind, mich zu verhören und über mich zu urteilen, schau, wie sie auf einmal meine Fürbitter sind bei dem Einzigen. Die Reinheit der Jungfrau, das Blut der Märtyrer und die strahlende Geduld der Heiligen werden meine Schutzwehr. O hohes Geheimnis der Umkehr der Verdienste und der Gemeinschaft der Heiligen!
Und während die Worte noch widerhallen, die mir Vergebung erbitten, während ich die Furcht vergesse, die ich durchdringt, dass ich vielleicht morgen wieder falle und aufs neue beginnen müsse, erhebe ich mich in meiner wiedergefundenen Freude wie in einer plötzlichen, einer unsäglichen Erleichterung.

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Donnerstag, 6. Januar 2011

Fest der Erscheinung des Herrn, 6. Januar

Laudes - Hymnus
(O sola magnarum urbium)

O Bethlehem, du einzige Stadt,
Dir kommt an Größe keine gleich,
Du durftest schenken uns im Fleisch
Den Herrn des Heils aus Himmelshöhen.

Ein Stern der selbst der Sonne Rad
An Zier und Lichtglanz überstrahlt,
Verkündet: Erdennieder kam
Gott selbst in menschlicher Gestalt.

Die Weisen schauen Ihn, und schon
Sie holen vor des Ostens Gold,
Sie fallen nieder, beten an,
Opfern Weihrauch, Myrrhe, und Gold.

Als König und als Gott bezeugt
Ihn Gold und Sabas Weihrauchduft,
Der Staub der Myrrhe aber weißt,
Daß Sein einst harrt des Grabes Gruft.

Ein Loblied sei Dir, Herr, geweiht,
Der heute Du erschienen bist,
Mitsamt dem Vater und dem Geist
Durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Diurnale monasticum, 1960

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Mittwoch, 5. Januar 2011

Die Heilige Messe, 1


(Nachfolgende Texte entstammen überwiegend dem Büchlein “Henry Daniel-Rops: Die Heilige Messe, Innsbruck, 1952“. Es handelt sich dabei um ein Betrachtungsbuch über die Heilige Messe nach dem heute  „außer- ordentlichen Ritus“, der damals noch für die gesamte katholische Kirche galt. Diese Texte atmen auch in unserer Zeit voller Liebe und Hingabe da leben, mit der die Heilige Messe mitgefeiert werden kann. Vielleicht klingt der eine oder andere Satz für moderne  Ohren etwas „antiquiert“, darum geht es aber nicht. Steigen wir hinauf in die Höhen und lassen wir uns ein auf den Aufstieg zu Gott.)


I.  INTROIBO  AD  ALTARE  DEI

Gebet zu Füßen des Altares

Hier stehe ich also an der Schwelle der heiligen Messe: introibo, ich will hintreten zum Altare Gottes. Diese ersten Gebete sind Annäherung und Vorbereitung. Der Priester spricht sie zu Füßen des Altares; früher auf seinem Weg aus der Sakristei, als ein stilles Gebet, mit einem gewissen innigen, privaten Charakter.
„Hintreten will ich zum Altare Gottes, des Gottes, der der meine verjüngte Seele mit Freude überhäuft.“ Eine junge Seele, überhäuft mit Freude, das ist es, was wir dem Gott des Lebens darbringen werden.

Ich komme hierher o Herr, mit all dem lebendigen Aufschwung meiner Seele, mit allem, was an Hoffnung, was an Liebe mein Eigen ist. Ich will, dass diese Messe eine selige Rast werde in meinem Leben, dass sie mir die Kraft gewähre, stärkeren Herzens Deinem Weg zu folgen, und dass die oft so unerträgliche Last, die ich mir selber bin, leichter werde durch Deine Barmherzigkeit, durch Dein Verzeihen.
Viele Stunden hindurch o Gott, bin ich losgelöst von Dir, fern auch mir selbst, preisgegeben allem möglichen Verrat. Gib mir aufs Neue, dass ich Dir nahe sei, dass ich nahe sei auch mir: denn das ist ein und dasselbe. Ich will, dass diese Stunde, die geheiligt ist durch Deine Gegenwart, eine Stunde der Treue, der Inbrunst und der Freude sei!
Nimm weg von mir all diese Schärfe, die mir meinen Mund austrocknet, all die Bitterkeit und Qual, an der ich mitschuldig bin, diese Verzweiflung, die mich unablässig bedroht. Befreie mich von meinem inneren Elend, von allem, das mich hinab ziehen will, von all dem Bösen; ach, ich hasse es und tue es trotzdem! Bereite mich, am Eingang dieser Heiligen Messe, so wie Du selber mich willst.
Mein Vertrauen in Dich ist unbegrenzt. Mein erstes Wort hier will Hingabe sein. An Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich; denn Du bist meine einzige Gewissheit, meine einzige Kraft. Und weil ich mich in Dir so schwach fühle und völlig hingegeben in Deine Hände, weiß ich mich stark.
Freude also, ja Freude in Gott! Eine neue Jugend ist es, die auf mich wartet, und meine Seele wird voll sein von ihr! Lass die Ströme Deines göttlichen Lichtes über mich fluten, o Herr, in diesem „Von –Angesicht-zu-Angesicht“ für das ich mich bereite. Lass mich, von jetzt an, unablässig geführt sein auf meinem Weg, von Deiner Wahrheit: sie ist die Liebe.

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Sonntag, 2. Januar 2011

IHS - Monogramm


IHS
Das Jesusmonogramm
ist wohl den meisten von uns bekannt. Es sind die drei Buchstaben, Trigramm, die sich vom Namen Jesus (Jhesus) her ableiten.
Man kann es als „Jesus, der Menschen Erlöser“, verstehen.
 griechisch: Ιησους (Jesus)
lateinisch angelehnt:
Iesus - Hominum - Salvator
in deutscher Sprache angelehnt:
Jesus - Heiland  - Seligmacher

Dieses Zeichen wurde später von den Jesuiten übernommen. Und so findet man es heute noch an vielen von ihnen erbauten Barockkirchen. Es verbreitete sich dann über das ganze katholische Land. An diesem Zeichen konnte jeder erkennen, dass „katholisch“ damit gemeint war.
Jedoch wird heutzutage die Bedeutung, die die Katholiken mit diesem Zeichen über die Jahrhunderte hinweg verbanden, nicht mehr gerne gesehen. Selbst in neueren Werken (z. B. Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, Benno-V. 2010) wird dies verschwiegen. Aber warum? Ist es nicht ein Symbol katholischer Frömmigkeit, wenn wir zu Gott rufen:
Jesus – Heiland – Seligmacher.

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