Montag, 31. Januar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (12)


Gründe für die alte Form des hl. Offiziums

Auch wenn der Umbruch zwischen dem alten römischen Brevier und der neuen liturgia horarum von 1971 nicht so drastisch erscheint wie beim Messbuch, so unterscheiden sich beide doch deutlich voneinander. Nachdem die jüngste Brevierreform bereits fast 40 Jahre zurückliegt, lässt sich doch sine ira est studio auf deren Verluste und auf die besonderen Schätze des alten Offiziums hinweisen. Das mag manch einen Kleriker oder vielleicht auch ein Kloster oder eine Ordensgemeinschaft dazu bewegen, die jahrhundertealte Form des Stundengebetes wieder aufzugreifen. Die Augenscheinlichsten Veränderungen betreffen dreierlei: den Umfang, die Sprache und die Vereinheitlichung.

1.      Das Gebetspensum vor allem der Weltpriester wurde in der liturgia horarum deutlich verringert. Statt des Wochenpsalters kennt sie nur noch einen Vierwochenrythmus, in dem alle Psalmen gebetet werden. So kommt es dazu, dass die einzelnen Wochentage nicht mehr ihre weitgehend unveränderte Prägung besitzen. Ebenso wurde die Zahl der zu betenden Horen von acht auf fünf reduziert, und die tägliche Zahl der Psalmen beschränkt sich nun auf in der Regel elf anstelle von dreiunddreißig. Man wollte mit dieser Reduktion der Arbeitslast der Priester Rechnung tragen. Sie sollten ihr Brevier nicht als bloße Bürde empfinden. Faktisch hat es aber zum Gegenteil geführt: Nicht wenige Priester beten im Höchstfall nur noch einen Teil des geringeren Pensums, zu dem sie nun verpflichtet sind. Bei der wehe haben sie versprochen, „Männer des Gebetes“ zu sein, aber das Gebet der Kirche ist für viele marginal geworden. Damit wurde nolens volens einem aktivistischen Priesterideal Vorschub geleistet. Nicht selten sind schließlich spirituelle Formen an die Stelle des Stundengebetes getreten, die das geistliche Leben des Priesters weitab vom katholischen Dogma führen. Spirituelle Moden und unscharfe geistliche Formen verdrängen das Gebet, was sie feierlich versprochen haben – ein denkwürdiger Verfall! All das hat zur Folge, dass man vom heutigen Brevier nur noch sehr begrenzt sagen kann, was die Liturgiekonstitution des II. Vaticanums gefortert hat: „Das Stundengebet ist nach alter christlicher Überlieferung so aufgebaut, dass der gesamte Ablauf des Tages und der Nacht durch Gotteslob geweiht wird“ (SC 84).
(12, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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1 Kommentare:

Am/um 1. Februar 2011 um 05:41 , Blogger Giovanni meinte...

ja leider: es gibt immer weniger Priester, die das (ganze). Dafür gibt es immer mehr Laien, die dies tun, was es früher so nicht gab. Vielleicht hat die von mir am meisten kritisierte Kürzung des Psalters durch die Weglassung der "schwierigen" Stellen im neuen Stundengebet dazu beigetragen, ganz sicher aber die Verbreitung in der Muttersprache- nicht mehr als halboffizielle Ausnahme sondern als offizielle liturg. Bücher.
was mich angeht: ich bete aus mehreren Gründen meist die neue Ausgabe des röm. Brevier die Liturgia horarum auf Latein - trotz aller Schwächen- mit großem gewinn. Persönlich halte ich die aktuelle lat. Ausgabe des Psalters für einen Gewinn weil er tatsächlich viele störende dunkle oder sinnentstellte Wendungen aus der Vulgata endlich korrigiert hat und es trotzdem schafft, Kirchenlatein zu bleiben- im Gegensatz zu den Übersetzungen aus den 50er Jahren (Bea-Psalter.... oder die Vorgängerübersetzung aus der ersten editio typica des neuen Breviers 1970)

 

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