Donnerstag, 5. Januar 2012

Traurigkeit oder Acedia, 42

[42] - Abschließend und zusammenfassend gesagt: 

Die Acedia ist ein innerer Zustand, und zwar ein gut definierter, trotz seinen vielfältigen Erscheinungsformen. Dieses verabscheuenswerte Gemisch aus Leidenschaft und Gedanken zersetzt die Freude an der Liebe und daran, dem Herrn anzugehören. Das Bedauerlichste an diesem besonders satanischen Laster ist dies: Es lähmt und gefriert, quält und erstickt unser fundamentales Verlangen nach Gott. Ein Verlangen, auf dem unsere Suche nach Seinem Antlitz gründet, und das unser monastisches Leben zu dem macht, was es sein soll: Ein Leben, das asketisch auf das Mysterium hin orientiert ist, um es mystisch schmecken zu können. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

 

Labels:

Mittwoch, 4. Januar 2012

Traurigkeit oder Acedia, 41

[41] - Zum Abschluss wollen wir uns daran erinnern, dass das, was für uns unmöglich ist, für Gott recht gut möglich ist. Er wartet, dass wir sein Geschenk annehmen, so gut wir können. Wenn wir uns also zu klein und zu schwach fühlen, um den Mittagsdämon der Acedia zu bekämpfen, dann können wir wenigstens damit beginnen, dass wir das Schmerzmittel annehmen, das mir der hl. Thomas von Aquin empfohlen hat: Eine Dusche und ein gutes Schläfchen (ST I-II, 38,5). 

Viele Punkte wären noch in meinem Tintenfass; ob es wohl die Gelegenheit geben wird, das Thema ein andermal fortzuführen? Das hängt von zweierlei ab: Vor allem, ob ich in der Erfahrung wachse; und dann, ob dieser vorliegende Brief gute Aufnahme findet. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Dienstag, 3. Januar 2012

Traurigkeit oder Acedia, 40

[40] - Jesus selbst hat diese Tugend der Geduld fast zu einer absoluten Bedingung für die ewige Errettung erklärt: Wenn ihr standhaft (hypomone) bleibt, werden ihr das Leben gewinnen (Lk 21,19). Ich mache auch die Stimme des Abtes von Clairvaux zu meiner eigenen; seine folgende Ermahnung entstand zwar in einem anderen Zusammenhang als dem unseren, aber sie erscheint mir hier äußerst passend: 

Was bleibt jetzt noch übrig, meine Vielgeliebten, außer dass Ihr Euch erinnern lässt an die Standhaftigkeit, die allein den Männern Ruhm, den Tugenden den Kranz erwirbt? Denn wahrlich, ohne Standhaftigkeit erringt weder der Krieger den Sieg noch der Sieger die Palme; sie ist der belebende Keim der Kräfte, die Krönung der Tugenden, die Förderin des Verdienstes, die Vermittlerin des Lohnes. Sie ist die Schwester der Geduld, die Tochter der Festigkeit, die Freundin des Friedens, der Knoten der Freundschaften, das Band der Eintracht, das Bollwerk der Heiligkeit. Nimm weg die Standhaftigkeit, und der Gehorsam verliert seinen Lohn, die Wohltat den Dank, die Tapferkeit das Lob. Schließlich, nicht wer beginnt, sondern wer bis zum Ende ausharrt, wird gerettet werden (Brief 129,2, „An die Genueser“). 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Montag, 2. Januar 2012

Traurigkeit oder Acedia, 39

[39] - Nach allem bisher Gesagten ist aber noch ein spezielles Wort zur Acedia nötig. Da diese Art der Trägheit Gott selbst betrifft und auch die Mittel, die zu Ihm führen, wird man im Kampf dagegen schwerlich mit Tugenden, Ablenkung, karitativer Tätigkeit, Wachsamkeit das Auslangen finden... Der große Lehrer in Sachen Acedia, Evagrius Ponticus, und mit ihm alle großen spirituellen Lehrer des Ostens und des Westens sagen uns einstimmig: Hypomone, hypomone, hypomone! Das heißt: Geduld und Ausdauer. 

Die Zeit der Versuchung ist nicht die Zeit, unter verschiedenen, noch so plausiblen Vorwänden seine Zelle zu verlassen. Vielmehr soll man standhaft (hypomone) in seiner Zelle sitzen bleiben und mutig alle Angreifer empfangen, alle, besonders aber den Dämon der Acedia, der, weil er der Schlimmste von allen ist, die höchste Bewährungsprobe für die Seele darstellt. Denn solche Kämpfe einfach zu fliehen und zu vermeiden, das macht den Geist unbeholfen, feig und furchtsam (Praktikos 28).

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Dienstag, 6. Dezember 2011

Dienstag, 2. Adventwoche, Vesper

Magn.Ant.
 
Vox clamantis * in deserto:
Parate viam Domini,
rectas facite semitas Dei nostril.
~
Stimme eines Rufenden * in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn,
macht gerade die Pfade unseres Gottes

Labels: ,

Sonntag, 4. Dezember 2011

2. Sonntag im Advent, 2. Vesper


Magn.Ant.
 
Tu es qui venturus es, *
an alium exspectamus?
Dicite Joanni quae vidistis:
ad lumen redeunt caeci, mortui resurgunt,
pauperes evangelizantur, alleluja.
~
Bist Du es, der da kommen soll, *
oder sollen wir einen anderen erwarten?
Sagt dem Johannes, was ihr gesehen habt:
Zum Licht zurück kehren Blinde, Tote stehen auf,
Armen wird das Evangelium verkündet, alleluja.

Labels: ,

Samstag, 26. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 38

[38] - - Der dritte Weg ist ein einfaches, aufmerksames Beobachten der Entwicklung des Verlangens, der Gefühle, die es hervorruft, und der Gedanken, die sich dabei einstellen. Auf diese Weise verschwinden sie, bevor sie stark genug werden, um uns gefangen zu nehmen. In diesem Fall sollen wir uns daran erinnern, dass Fühlen nicht gleich auch Zustimmen bedeutet. 

- Der vierte Weg schließlich besteht darin, sich frei und großzügig einem guten Werk zu widmen, das unserem Nächsten dient und nützt. 

Zusammenfassend gesagt: 
Wenn diese ungeordneten Sehnsüchte und Wünsche einmal zu Lastern oder einem gewohnheitsmäßigen schlechten Tun geworden sind, müssen sie an der Wurzel ausgerissen werden, durch ausdauernde, beharrliche Praxis der gegengesetzten Tugenden: Maßhalten, Keuschheit, Großzügigkeit, Geduld, Fleiß, Bescheidenheit, Demut und barmherzige Liebe. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Freitag, 25. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 37

[37] - Gleicherweise ist es nützlich, die vier traditionellen Techniken zu kennen, mit denen diese ungeordneten Sehnsüchte und Wünsche bekämpft werden: 

- Die erste besteht darin, die Sehnsüchte und Wünsche unverzüglich zu bekämpfen, sobald man sie erkannt hat. Man konzentriert nun seine Aufmerksamkeit auf etwas Gegenteiliges oder einfach etwas anderes als das Objekt des Verlangens. Diese Praktik ist oft dann nützlich und empfehlenswert, wenn es sich um Sehnsüchte und Wünsche handelt, die immer wiederkehrende und zwanghafte Gedanken hervorrufen. 

- Der zweite Weg besteht darin, das ungeordnete Verlangen durch das Verlangen nach Gott und Seinem Reich zu ersetzen. Es ist dies die beste Lösung bei selbstzerstörerischen Sehnsüchten und Gedanken, die zu depressiven Zuständen führen. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Donnerstag, 24. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 36


[36] - Wir wollen uns drei wichtige Hauptprinzipien anschauen, bevor wir in den Kampf eintreten. Das erste und Wichtigste ist immer, uns bewusst zu sein, dass wir nicht unsere Sehnsüchte und Wünsche sind. Das einzige Verlangen, mit dem wir uns identifizieren können, ist jenes fundamentale, konstituierende Verlangen, das uns für den Anderen und die anderen offen macht und uns dorthin treibt, damit wir uns als Personen verwirklichen. Zweitens: Diese Sehnsüchte und Wünsche kommen und gehen so wie die Gefühle und Gedanken, die sie hervorbringen. Und drittens schließlich: Wenn wir sie nicht noch mit weiteren Sehnsüchten, Gefühlen oder Gedanken füttern, dann werden sie wie Seifenblasen zerplatzen. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Mittwoch, 23. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 35


[35] - Diese Arten des Verlangens geschehen in einem Prozess in crescendo, was leicht zu erkennen ist. Wir müssen nicht eigens betonen, dass die Chancen unseres Sieges umso größer sein werden, je früher wir mit dem Kampf beginnen. Das Ganze läuft folgendermaßen ab: 

- Erwachen des Verlangens und der damit verbundenen Gefühle 


- Dialog mit den daraus resultierenden Gedanken 


- Faszination angesichts der Möglichkeit, ihnen zu folgen, und Angst, ihnen zu unterliegen 


- Kampf, um sie zu verjagen, oder Weichwerden vor den Feinden 


- Niederlage oder Sieg gegenüber den Feinden 


- Gefangenschaft im Fall einer Niederlage, Freiheit als Frucht eines Siegs.


Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Dienstag, 22. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 34


[34] - Wenn wir nun die hauptsächlichsten ungeordneten Sehnsüchte und Wünsche identifizieren sollen, dann begegnen wir wieder den Hauptsünden oder -lastern: 

- Ungeordnetes Verlangen nach Essen: Völlerei 


- Ungeordnetes Verlangen nach sexuellem Vergnügen: Lüsternheit (Unzucht) 


- Ungeordnetes Verlangen nach materiellen Gütern: Habgier 


- Unerfülltes Verlangen und die aktive Reaktion gegen diese Frustration: Zorn 


- Geschwächtes Verlangen nach Gott oder Trägheit hinsichtlich der spirituellen Dinge: Acedia 


- Ungeordnetes Verlangen, sich unbedingt hervorzutun: Eitelkeit 


- Ungeordnetes Verlangen nach eigener Überlegenheit: Stolz 


Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Montag, 21. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 33

[33] - Daher also können wir sagen, dass der klassische Kampf gegen leidenschaftliche Gedanken oder logismoi im Grunde ein Kampf gegen ungeordnete Sehnsüchte und Wünsche ist, die in jenen Gedanken wurzeln und sie mit Leidenschaft befrachten. Die großen Meister der spirituellen Kunst beziehen sich auf diese Sehnsüchte und Wünsche in verschiedenerlei Weise: Geister. Dämonen, Gedanken, Kummer, Affekte, Leidenschaften, Zuneigungen, Appetite, Willen, Laster, Hauptsünden... Und die großen Meister haben uns gelehrt, sie zu bekämpfen und sie zu Tode zu bringen in einem besonderen Kampf, der sich der Mortifikation bedient, der Selbstverleugnung und der Demut; es geht letzten Endes darum, den alten Menschen wie ein Kleid auszuziehen und mit Hilfe der göttlichen Gnade den neuen Menschen anzuziehen.

Auf dem Schlachtfeld begegnen einander Leben und Tod: Das Leben in Gott, und der Tod weit weg von Ihm. Anders gesagt: Wir haben einerseits ein tiefes existenzielles Verlangen nach Gott, das uns eins macht, wenn wir Seiner gedenken, und durch das wir uns als menschliche Personen verwirklichen können: Die Gefühle und Gedanken, die diesem tiefen Verlangen entspringen, bleiben in der Verbindung mit dem Herrn. Am anderen Ende des Schlachtfeldes gibt es persönliche Desintegration und Gottvergessenheit. Nahe diesem Ende des Feldes befindet sich die Ursache unserer Leiden, der Wünsche, Affekte oder Gedanken, die sich durch üble Objekte oder Ziele definieren. Jedesmal, wenn wir von diesen leidenschaftlichen Wünschen und Gedanken überwältigt.


Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Sonntag, 20. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 32

[32] - Wir als Mönche haben dieses Erbe mit Freude übernommen, so sehr, dass die Ausdrücke „für Christus streiten“ und „Soldaten Christi“ auf das monastische Leben angewendet werden, und zwar von Anfang an. Unsere zisterziensischen Väter wussten das recht gut. Der hl. Bernhard zitiert das paulinische Wort „Ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt“ (1 Kor 9,26) und ruft aus: Das klingt wie eine Kriegsposaune, das sind Worte eine tüchtigen Heerführers, der tapfer kämpft (2. Predigt zum Fest Allerheiligen, 2).

Die menschlichen Sehnsüchte und Wünsche sind Zeichen eines Mangel und unterliegen so den Gefühlen. Das heißt, diese Sehnsüchte und Wünsche bewegen unsere Affektivität, und diese wiederum erregt leidenschaftliche Gedanken. Und die Gedanken, um den Kreis zu schließen, können Sehnsüchte und Wünsche hervorbringen: Ein leidenschaftlich wütender Gedanke, hervorgerufen durch einen unerfüllten Wunsch, kann das Verlangen nach Rache gebären... und schon sind wir mitten im Krieg. 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Samstag, 19. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 31

[31] - Man kann dieses inspirierte Wort aber auch noch anders verstehen. Der originale hebräische Text ist demnach so zu übersetzen: Meine Sehnsucht (nefesh) schmilzt vor Traurigkeit dahin. Das heißt: Traurigkeit drückt auf mein tiefstes Verlangen, das mich zu Gott hin treibt. Wir wissen, dass der faule Mensch - eine häufige Figur im Buch der Sprichwörter - an einer Dysfunktion leidet: Sein Verlangen kreist ihn selbst ein, und es führt ihn in den Tod (siehe Spr 21,25).


2.3. Kampf und ungeordnete Sehnsüchte

Der geistliche Kampf begann unmittelbar nach der Ursünde, und er wird bis zum Ende der Zeiten andauern: Feindschaft setze ich zwischen dich (die Schlange) und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs, er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse (Gen 3,15). Der hl. Paulus stellt diesen Kampf in die Dynamik des Heilsgeheimnisses (Kol 2,15; Eph 6,11-12; I Kor 15,24-26) und rüstet uns mit den passenden spirituellen Waffen aus (Eph 6,11-17; I Thess 5,8; siehe auch I Petr 5,8-9). 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Mittwoch, 16. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 30

[30] - Der zweite Text ist aus dem Psalter. In der lateinischen Version des hl. Hieronymus, der Vulgata, heißt es so: Dormitavit anima mea prae taedio (wörtlich: Meine Seele schlief vor Überdruss; Ps 119, 28). Wir sollten beachten, dass das griechische Wort aus der Septuaginta, das Hieronymus mit taedium übersetzte, genau das Wort Acedia ist. Und wie lautet das hebräische Wort, das ins Griechische übersetzt wurde? Nun, es lautet tugah - Traurigkeit, Kummer. Moderne deutsche Übersetzungen jenes Psalmverses variieren und geben ihn etwa so wieder: Meine Seele zerfließt vor Kummer; Tränen entquellen meiner Seele vor Kummer; Vor Leid tränt meine Seele! usw. Wir können aus diesem biblischen Text sehen, dass der hl. Gregor der Große und der hl. Thomas nicht fehlgegangen sind. Wir können auch noch hinzufügen, dass Cassian die Acedia mit dem Schlaf verknüpft, und der hl. Benedikt warnt uns: Sei nicht schlafsüchtig! (RB 4,37). 

Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“

Labels:

Dienstag, 15. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 29

[29] - 2.2. Biblische Zeugen 

Sehen wir uns jetzt zwei Texte mit Bezug zu unserem Thema an. Vielleicht erhellen sie uns weiter auf unserer Suche nach einem besseren Verständnis dieses bösartigen Denk- und Leidenschaftsmusters, das in unseren Klöstern und außerhalb so viel Verwüstung anrichtet.

Den ersten Text entnehmen wir der Weisheitsliteratur, genauer gesagt, dem Buch der Weisheit, das ursprünglich in Griechisch geschrieben wurde. Wir lesen: Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht; doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören (Weish 2, 23-24). Dieser Text ist theologisch reich; der inspirierte Autor sagt uns, dass Satan neidisch wurde, weil wir ein Bild Gottes waren, und dass er uns deswegen bekämpft. Nun, und was ist der Neid? Traurigkeit wegen des Gutes eines anderen. Satan kann das große Gut unserer Einheit mit Gott nicht akzeptieren und führt Krieg gegen uns. Und „alle, die ihm angehören“, erfahren den gleichen Neid und den gleichen geistlichen Tod; das erklärt, warum „die Welt“ die Söhne und Töchtern Gottes nicht in Frieden lassen kann. Es wird immer Kain geben, der Abel umbringt; Herodes, der traurig wird und angesichts der guten Nachricht zur Gewalt greift; Ischariot, der Maria von Bethanien in seiner nüchternen Logik Vorwürfe wegen ihrer Liebe macht.

Labels:

Montag, 14. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 28

[28] - Somit können wir sagen, dass der Mensch mit dem Laster der Acedia sauer oder bitter geworden ist gegenüber seiner Religion oder seinem spirituellen Leben. Noch einen Schritt weiter in dieser hausgemachten Etymologie: Da die Säure der Kälte zugeordnet wird, wie wir beim hl. Thomas gesehen haben, lässt sich sagen, dass die Acedia uns lau macht, denn sie kühlt die Glut der Liebe.

Die japanische Sprache geht einen anderen, viel direkteren Weg, wenn sie das Wort „Acedia“ übersetzt. Sie benutzt den Begriff mu-ki-ryoku, das heißt: mu (Mangel, etwas fehlt), ki (Energie), ryoku (Kraft, Macht). Möglich ist auch die Übersetzung mit iya-ki, das heißt: iya (überdrüssig werden, etwas satt haben), ki (Energie). Wer die Bedeutung und Tragweite des Begriffs ki in den östlichen Kulturen kennt, ist sich der schrecklichen Schwere der Acedia bewusst: Der Mensch mit Acedia ist müde und überdrüssig, er hat keine Energie und keine Dynamik mehr, er verabscheut die Harmonie mit Gott, mit den anderen und mit dem Kosmos.

Labels:

Sonntag, 13. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 27

[27] - Es gibt aber im spirituellen Vokabular fast aller abendländischen Sprachen den Begriff Acedia. Dessen Grundbedeutung ist Müßiggang/Faulheit (im Gegensatz zum Fleiß) und Traurigkeit/Bitterkeit (im Gegensatz zur Freude).

Im Lateinischen existiert eine ganze Wortfamilie, die mit der Acedia verwandt ist, wie etwa: acer (scharf, bitter), acetum (Essig), acerbum (herb, streng)... Wir könnten also denken, dass Menschen, die von der Acedia befallen sind, bildlich gesprochen, eine hohe Dosis einer Säure bekommen haben, die sie sauer macht wie Essig. So wie süßer Wein verdirbt, wenn er sauer wird, so verwandelt sich die Freude der Liebe, wenn sie sauer wird, in Acedia.

Labels:

Samstag, 12. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 26

[26] - 2. Eine Tradition, die uns angeboten wird 

Eine lebendige Tradition ist eine Tradition, die sich erneuert. Ich weiß nicht, ob das, was ich nun sagen will, neu ist, aber ich kann Euch versichern, dass es aus dem Leben stammt. Wenn es erhellend und anregend wirkt, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

2.1. Der Sinn der Worte 
„Acedia“ ist ein griechisches Wort mit der Grundbedeutung von Achtlosigkeit, Nachlässigkeit, Mangel an Interesse. Uns aber interessiert das lateinische Wort dafür, nämlich taedium (Überdruss). Im Wörterbuch steht noch: Ekel, Widerwille, Abneigung, Abscheu.

Labels:

Freitag, 11. November 2011

Traurigkeit oder Acedia, 25

[25] - Zu Ende seiner Exerzitien bietet Ignatius ein Gegengift zur Acedia an, nämlich „Kontemplation, um zur Liebe zu gelangen“. Diese Kontemplation ist eine Übung der Ausdauer im Guten, ein Weg zur Bewahrung und Anregung eines Lebens der Freude und der Tröstung in der Liebe (Ex. Spir. 230-237).

Und schließlich lesen wir im Katechismus der Katholischen Kirche: Acedia oder geistliche Trägheit kann so weit gehen, dass man die von Gott kommende Freude verschmäht und das göttliche Gut verabscheut (§ 2094).

Oder noch konkreter im Zusammenhang mit den Versuchungen gegen das Gebet: Die Acedia ist eine Art Depression... hervorgerufen durch das Nachlassen in der Askese, das Schwinden der Wachsamkeit und durch die mangelnde Sorgfalt des Herzens... (§ 2733).

In diesen beiden Zitaten können wir unschwer den Einfluss des Doctor Angelicus und der Tradition vor ihm entdecken.

Labels: