Traurigkeit oder Acedia, 42
[42] - Abschließend und zusammenfassend gesagt:
Hauptsächlich: Dom Bernardo Olivera, Generalabt der Trappisten 1990-2008:
“Eine Traurigkeit, die das Verlangen nach Gott zersetzt“
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Stimme eines Rufers in der Wüste. Lk 3,4; Is 40,3 - (Evangelium 4. Adventsonntag)
[42] - Abschließend und zusammenfassend gesagt:
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[41] - Zum Abschluss wollen wir uns daran erinnern, dass das, was für uns unmöglich ist, für Gott recht gut möglich ist. Er wartet, dass wir sein Geschenk annehmen, so gut wir können. Wenn wir uns also zu klein und zu schwach fühlen, um den Mittagsdämon der Acedia zu bekämpfen, dann können wir wenigstens damit beginnen, dass wir das Schmerzmittel annehmen, das mir der hl. Thomas von Aquin empfohlen hat: Eine Dusche und ein gutes Schläfchen (ST I-II, 38,5).
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[40] - Jesus selbst hat diese Tugend der Geduld fast zu einer absoluten Bedingung für die ewige Errettung erklärt: Wenn ihr standhaft (hypomone) bleibt, werden ihr das Leben gewinnen (Lk 21,19). Ich mache auch die Stimme des Abtes von Clairvaux zu meiner eigenen; seine folgende Ermahnung entstand zwar in einem anderen Zusammenhang als dem unseren, aber sie erscheint mir hier äußerst passend:
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[39] - Nach allem bisher Gesagten ist aber noch ein spezielles Wort zur Acedia nötig. Da diese Art der Trägheit Gott selbst betrifft und auch die Mittel, die zu Ihm führen, wird man im Kampf dagegen schwerlich mit Tugenden, Ablenkung, karitativer Tätigkeit, Wachsamkeit das Auslangen finden... Der große Lehrer in Sachen Acedia, Evagrius Ponticus, und mit ihm alle großen spirituellen Lehrer des Ostens und des Westens sagen uns einstimmig: Hypomone, hypomone, hypomone! Das heißt: Geduld und Ausdauer.
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[38] - - Der dritte Weg ist ein einfaches, aufmerksames Beobachten der Entwicklung des Verlangens, der Gefühle, die es hervorruft, und der Gedanken, die sich dabei einstellen. Auf diese Weise verschwinden sie, bevor sie stark genug werden, um uns gefangen zu nehmen. In diesem Fall sollen wir uns daran erinnern, dass Fühlen nicht gleich auch Zustimmen bedeutet.
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[37] - Gleicherweise ist es nützlich, die vier traditionellen Techniken zu kennen, mit denen diese ungeordneten Sehnsüchte und Wünsche bekämpft werden:
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[32] - Wir als Mönche haben dieses Erbe mit Freude übernommen, so sehr, dass die Ausdrücke „für Christus streiten“ und „Soldaten Christi“ auf das monastische Leben angewendet werden, und zwar von Anfang an. Unsere zisterziensischen Väter wussten das recht gut. Der hl. Bernhard zitiert das paulinische Wort „Ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt“ (1 Kor 9,26) und ruft aus: Das klingt wie eine Kriegsposaune, das sind Worte eine tüchtigen Heerführers, der tapfer kämpft (2. Predigt zum Fest Allerheiligen, 2).
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[31] - Man kann dieses inspirierte Wort aber auch noch anders verstehen. Der originale hebräische Text ist demnach so zu übersetzen: Meine Sehnsucht (nefesh) schmilzt vor Traurigkeit dahin. Das heißt: Traurigkeit drückt auf mein tiefstes Verlangen, das mich zu Gott hin treibt. Wir wissen, dass der faule Mensch - eine häufige Figur im Buch der Sprichwörter - an einer Dysfunktion leidet: Sein Verlangen kreist ihn selbst ein, und es führt ihn in den Tod (siehe Spr 21,25).
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[30] - Der zweite Text ist aus dem Psalter. In der lateinischen Version des hl. Hieronymus, der Vulgata, heißt es so: Dormitavit anima mea prae taedio (wörtlich: Meine Seele schlief vor Überdruss; Ps 119, 28). Wir sollten beachten, dass das griechische Wort aus der Septuaginta, das Hieronymus mit taedium übersetzte, genau das Wort Acedia ist. Und wie lautet das hebräische Wort, das ins Griechische übersetzt wurde? Nun, es lautet tugah - Traurigkeit, Kummer. Moderne deutsche Übersetzungen jenes Psalmverses variieren und geben ihn etwa so wieder: Meine Seele zerfließt vor Kummer; Tränen entquellen meiner Seele vor Kummer; Vor Leid tränt meine Seele! usw. Wir können aus diesem biblischen Text sehen, dass der hl. Gregor der Große und der hl. Thomas nicht fehlgegangen sind. Wir können auch noch hinzufügen, dass Cassian die Acedia mit dem Schlaf verknüpft, und der hl. Benedikt warnt uns: Sei nicht schlafsüchtig! (RB 4,37).
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[29] - 2.2. Biblische Zeugen
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[28] - Somit können wir sagen, dass der Mensch mit dem Laster der Acedia sauer oder bitter geworden ist gegenüber seiner Religion oder seinem spirituellen Leben. Noch einen Schritt weiter in dieser hausgemachten Etymologie: Da die Säure der Kälte zugeordnet wird, wie wir beim hl. Thomas gesehen haben, lässt sich sagen, dass die Acedia uns lau macht, denn sie kühlt die Glut der Liebe.
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[27] - Es gibt aber im spirituellen Vokabular fast aller abendländischen Sprachen den Begriff Acedia. Dessen Grundbedeutung ist Müßiggang/Faulheit (im Gegensatz zum Fleiß) und Traurigkeit/Bitterkeit (im Gegensatz zur Freude).
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[26] - 2. Eine Tradition, die uns angeboten wird
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[25] - Zu Ende seiner Exerzitien bietet Ignatius ein Gegengift zur Acedia an, nämlich „Kontemplation, um zur Liebe zu gelangen“. Diese Kontemplation ist eine Übung der Ausdauer im Guten, ein Weg zur Bewahrung und Anregung eines Lebens der Freude und der Tröstung in der Liebe (Ex. Spir. 230-237).
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