Sonntag, 28. Oktober 2012

Johannes von Avila – Die Wächter des Weinbergs



Priesterliche Spiritualität in der Kirche bedeute Dienst und Liebe: Die Bischöfe, Priester und Prediger sind die Wächter des Weinberges. Doch wegen Lauheit und mangelndem Eifer vieler Verkünder des Gotteswortes erscheint das Antlitz der Kirche entstellt; wegen der Nachlässigkeit der Vorsteher ist der Weinberg (die Kirche) oft verwildert und verheert, so dass unmittelbar eine Strafe Gottes droht.

 „Ich glaube, dass bei den meisten Seelen, die verloren gehen, die Bischöfe der Kirche und die weltlichen Herren die Schuld tragen“.

"Wenn wir uns auf einem Schiff befinden und sehen würden, dass die Steuerleute, die Offiziere und die Sachverständigen auf Wache stehen, dann mag man ruhig schlafen. Wenn sie jedoch schlafen, wäre es dann nicht unverantwortlich bei einem derart schweren Sturm wie der derzeitigen Häresie, sich schlafen zu legen? Ihr seht die Gefahr und ihr seht auch, dass die Hirten schlafen; seid deshalb wachsam, damit der Herr, wenn er kommt, euch bereit findet!“

"Sie sind die Steuerleute des Schiffes des heiligen Petrus; wenn sie schlafen, wohin soll es geraten, wenn nicht in 1000 Klippen und Gefahren? Sie sind die Führer, um den Wege zu zeigen; wenn sie selber ihn nicht kennen und auf sehr krummen Wegen gehen, wohin werden dann die gehen, die ihnen folgen?

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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Samstag, 27. Oktober 2012

Johannes von Avila – nüchterner Realismus



Die Reformgutachten des Heiligen erweisen seine nüchtern-realistische Beurteilung der damaligen kirchlichen Zustände und seine reiche seelsorgliche Erfahrung.

Andalusien war damals als letzte von den Mauren zurückeroberte spanische Provinz weithin religiös unterentwickelt; Minderheiten waren auch noch mohammedanisch, die meisten Christen sehr oberflächlich. Der Heilige begnügte sich nicht mit allgemeinen Klagen und erbaulichen Beschwörungen des guten Willens. Er schildert die Einzelheiten der Missstände und fasst dann zusammen:

 "Wir sind so tief gefallen, dass wir weltlicher geworden sind als die Welt selber .... wir geben das Beispiel der Liebe zur Welt, nicht ein Beispiel der Geringschätzung ihrer Eitelkeiten, gerade so als ob Christus nicht zur Welt gekommen wäre, um uns zu lehren, wie wir auf ihr leben sollen".

Die Schuld an den desolaten Zuständen fand Johannes von Avila vor allem bei der mangelnden Pflichterfüllung des Klerus, insbesondere der Bischöfe, und auch bei dem schlechten Beispiel weltlicher Herren.

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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Freitag, 26. Oktober 2012

Johannes von Avila - geistliche Führung



In einer Zeit, in der es auch manche krankhaft-exaltierte Formen der Religiosität gab, findet sich bei ihm keinerlei Spur von übertriebener Sentimentalität oder weltfremder Abgehobenheit - es sind übrigens auch vier praktische Erfindungen von ihm patentiert worden. Er war kein Freund von Personen, die leicht an Privatoffenbarungen glaubten. Eine angeblich visionäre Nonne in Cordoba, Magdalena vom Kreuz, die sogar beim kaiserlichen Hof großes Ansehen genoss, hat er immer deutlich gemieden; der hl. Theresa nannte er eindeutige und nüchterne Kriterien. Außerordentliche mystische Gnaden wie Visionen und Prophezeiungen seien nicht das Ergebnis besonderer Verdienste, machten nicht heiliger, gehörten auch keineswegs immer zu den größten Heiligen.

Noch im letzten Brief seines Lebens warnte er vor der Gefahr des Illuminismus. In Bezug auf geistliche Tröstungen hatte er ein ausgeglichenes Urteil zwischen einer ungeordneten Abhängigkeit und einer zu rigoristischen Ablehnung. Sehr ausführlich erläutert er die Unterscheidungsregeln und warnt vor den Gefahren des versteckten Hochmuts und selbstherrlichen Urteils. Eindringlich verweist auf die Bedeutung der geistlichen Leitung.

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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Donnerstag, 25. Oktober 2012

Johannes von Avila, Notwendigkeit priesterlichen Gebetes



Entsprechend der Lehre von Johannes Chrysostomus und Gregor dem Großen unterstreicht er die unbedingte Notwendigkeit des priesterlichen Gebetes, dessen Fehlen viele Übel zur Folge hat und bezeichnet die Kunst der Seelenführung als die Kunst der Künste: „ars artium regimen animarum", - wobei die Bischöfe besondere Rechenschaft über jedes ihrer Schafe ablegen müssen. Nicht nur an Bischöfe, sondern auch an Priester und Priesteramtskandidaten schrieb er in diesem Sinne viele persönliche Briefe.

Von der Nähe des Priesters zum opfernden Christus, der apostolischen Überlieferung und dem Zeugnis der Väter leitet er die Bedeutung der priesterlichen Jungfräulichkeit ab, erinnert an das Beispiel der Heiligen und ist ganz davon entfernt, etwa wegen des Priestermangels auf den Zölibat des Weltklerus zu verzichten. Maria, die jungfräuliche Gottesmutter, betrachtet die Priester als Teil ihres eigenen Herzens: ,,Los racimos de mi corazön, los pedazos de misentrafias". So ergibt sich die Bedeutung einer vertrauensvollen Marienverehrung des Priesters.

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Johannes von Avila - Discretio

Was sein persönliches Innenleben betrifft, so wahrte er zeitlebens strenge Diskretion. Dies empfiehlt er auch in einem seiner Briefe:


„Was in Ihrem Herzen mit Gott vor sich geht, darüber sollen Sie sehr sorgfältig schweigen".

Die Nacht vom Donnerstag zum Freitag verbrachte er gewöhnlich großenteils wachend in der Meditation des Leidens Christi.

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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Dienstag, 23. Oktober 2012

Johannes von Avila, Verkündigung ist Hauptaufgabe



In der Verkündigung sah er seine Hauptaufgabe. Er verstand sich dabei nur als „Feldmesser", wie auch die Inschrift auf seinem Grab zum Ausdruck bringt: „mesoreram".

Seine Predigten (erhalten sind ca. 98) passten sich den liturgischen Jahreszeiten an und behandeln vorwiegend die Eucharistie (26), den Heiligen Geist, das Leiden Christi, die Muttergottes (13) und die Heiligen (10 Predigten).

Ihre Grundlagen waren persönliches Gebet, Liebe zur Eucharistie, Opfer, Studium und Beispiel.

Er brauchte keine falschen Rücksichten zu nehmen; er hatte ja verschiedentlich auf bischöfliche Würden (Segovia und Granada) und auf das von Papst Paul II. angebotene Kardinalat verzichtet, nahm keine Geschenke, Stipendien oder Entgelt für seine Predigten an und hielt sich nicht in den Häusern der Reichen oder in den bischöflichen Palästen auf.

Nüchterne Selbsterkenntnis bewahrte ihn vor übertriebener Kritik bei seinen Ansprachen. Sie waren immer begleitet von langen Stunden im Beichtstuhl und der Kinderkatechese.
Besonders beeindruckt war er von den Paulusbriefen und den Werken des heiligen Augustinus.

(Nach Johannes Stöhr, Theologisches 11,12/2011)

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