Sonntag, 11. März 2012

Ja, keusch – aber nicht sofort, 1 von 3

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Damit Gott uns heilen kann, müssen wir nach Heilung verlangen. Und wer wirklich nach Hilfe verlangt, dem wird geholfen werden. Für den modernen Menschen ist aber oft schon das bloße "Wollen" schwer. Wie leicht machen wir uns vor, wir wollten etwas, ohne dass es uns wirklich ernst ist damit. Bei einem der alten Christen können wir lesen, dass er als junger Mann ständig um Keuschheit gebetet habe. Jahre später habe er erkannt, dass seine Lippen wohl beteten: „O Herr, mache mich keusch“: sein Herz jedoch im Stillen hinzufügte: "Aber bitte nicht gleich“. Das kann uns auch im Gebet um andere Tugenden so ergehen. Es gibt aber drei Gründe, warum es uns heute so besonders schwerfällt, vollkommene Keuschheit auch nur zu wünschen – geschweige zu erreichen.

Erstens verbünden sich unsere auf Abwege geratene Natur, die Teufel, die uns versuchen, und die gesamte erotische Werbung, um uns das Gefühl zu geben, die Begierden, denen wir widerstehen, seien so "natürlich': so "gesund" und so "vernünftig': dass es schon beinah pervers und abnorm wäre, ihnen nicht nachzugeben. Plakate, Filme, Romane - sie alle bringen den Gedanken an sexuelle Befriedigung in Zusammenhang mit Vorstellungen von Normalität, Gesundheit, Jugend, Offenheit und guter Laune. Diese Verbindung aber ist eine Lüge! Wie alle wirksamen Lügen beruht allerdings auch sie auf einer Wahrheit, der oben anerkannten Wahrheit, dass Sexualität an sich - wenn man von allen Auswüchsen und Übertreibungen absieht - "normal" und "gesund" ist. Die Lüge besteht in der Behauptung, die sofortige Befriedigung jeglichen sexuellen Verlangens sei stets gesund und normal. Das ist jedoch von jedem Standpunkt aus Unsinn, nicht nur vom christlichen. Ein Nachgeben an all unsere Wünsche führt offensichtlich zu Impotenz, Krankheit, Eifersucht, Lüge und Verstellung, also dem Gegenteil von Gesundheit, guter Laune und Offenheit.

(Komma, Nr.89-90, 2012, 120ff.)

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2 Kommentare:

Am/um 12. März 2012 um 12:18 , Blogger Upekkha meinte...

Würde mich interessieren, was es mit der Quellenangabe auf sich hat. Ich selbst komme mit

(Komma, Nr.89-90, 2012, 120ff.)

nicht weiter. Danke . . .

 
Am/um 12. März 2012 um 13:49 , Blogger jos.m.betle meinte...

- besonders Seite 125. -Gruß!

 

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