Mittwoch, 2. Februar 2011

Der Geist des hl. Offiziums in der alten Form (14)


Gründe für die alte Form des hl. Offiziums (Fortsetzung)
  
3.   Ähnlich wie bei der Messliturgie trägt auch die Brevierreform von 1971 deutliche Spuren ihrer Zeit: Vereinheitlichung und Vereinfachung. Sie ist nach Prinzipien konstruiert und schnitt das Gewachsene auf rasch verständliche Strukturen zusammen. So wurde der Aufbau aller Horen vereinheitlicht: Eröffnung, Hymnus, drei Psalmen, Lesung, Responsorium und Oration bilden ein Grundmuster, dem einzelne Elemente hinzugefügt werden. Dadurch verlieren die einzelnen Horen ihre besondere Physiognomie und die Tagzeiten ihre eigene Gebetsprägung. Was etwa wurde damit gewonnen, dass der Hymnus generell an den Anfang gestellt wurde? Welche Botschaft geht davon aus, dass die Nachthore der Matutin mit ihren Nokturnen nun officium lectionis („Lesehore“) heißt und zu jeder Tageszeit gebetet werden kann (vorsichtiger noch in SC 89 c)? Ein Beispiel dieses konstruktivistischen Geistes bildet auch die Einfügung neutestamentlicher Cantica in die Vesper in Analogie zu den uralten alttestamentlichen Cantica der Laudes. Ebenso betrifft der Kahlschlag im Fest- und Heiligenkalender nicht nur die Hl. Messe, sondern auch das Brevier. Besonders die Heiligenviten in der zweiten Nokturn sind fast vollständig unbiographischen Texten gewichen, sicher die Frucht eines recht engen Historizismus. So wirkt eine solche Liturgie leider menschengemacht und nicht vom Heiligen Geist in der Tradition geschenkt. Der Wegfall der Prim und von Versikeln, Benediktionen und Absolutionen, die Umgestaltung der litaneiartigen preces zu standardisierten Fürbitten und der Verlust von Hinweisen auf den öffentlichen, kommunitären Charakter des Stundengebetes wirken wie viele Kirchen- „Umgestaltungen“ dieser Zeit, die sich vor allem durch Entfernen und Übermalen ausgezeichnet haben.

Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich kann man auch die liturgia horarum mit viel Gewinn beten. Doch nach Jahren eines fast vollständigen Vergessens ist die Wiedergutmachung des alten Breviers nun sicher an der Zeit. So wie die alte Form der Hl. Messe die Messe der Heiligen ist, so ist das alte Offizium das Gebet der Heiligen. Einen Unterschied allerdings gibt es zwischen beidem. Bei der Wiederentdeckung der alten Messe sind es oftmals die Gläubigen, die vorangehen und sich unter unendlich vielen Mühen herbei- wünschen und herbeibeten. Das Offizium ist zwar das Gebet der ganzen Kirche, aber es wird nur dann wieder seinen Platz in der Kirche erhalten, wenn Priester und Ordensgemeinschaften es sich neu zu eigen beten.
(14, Wollbold, A., Una Voce Korrespondenz, 4/2010, 11-20)

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1 Kommentare:

Am/um 18. Mai 2011 um 11:53 , Blogger Giovanni meinte...

und das tun sie meiner Beobachtung nach viel seltener: das neue Stundengebet hat für die meisten den zweifelhaften Vorzug kürzer zu sein und damit schneller zu persolvieren; wobei man die Kirche im Dorf lassen muss: Priester, die heute noch tatsächlich das vollständige Offizium beten sind ohnehin schon der §kleine Rest von Israel".......

 

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