Mittwoch, 9. Mai 2012

Pater Leopold Mandic, Kapuziner - 6

Im Mai 1935 feiert Pater Leopold den fünfzigsten Jahrestag seines Eintritts in den Orden. An diesem Ehrentag erhielt er viele Beweise der Zuneigung aus der Schar derer, die bei ihm beichteten. Er dachte sicher nicht daran, dies alles zu erleben, war er doch persönlich sehr zurückhaltend. Die Tatsache, dass er überall im Ruf stand, heilig zu sein, hat niemals, nicht zu seinen Lebzeiten noch nach seinem Tod, öffentliches Aufsehen erregt. Auch die außerordentlichen Gaben und großen Werke, die der Herr durch ihn wirken wollte, geschahen in der Stille. Selten merkte man etwas davon. Vielen seiner Mitbrüder wurde erst nach seinem Tod bewusst, so bezeugten sie es beim Heiligsprechungsprozess, dass sie einen Heiligen unter sich hatten und nichts von der Heiligkeit Pater Leopolds ahnten. So bezeugte ein Mitbruder: „Ich hätte es nie vermutet, denn ich konnte nichts Außergewöhnliches an ihm feststellen. Pater Leopold war zwar ein beispielhafter Kapuziner, aber nicht mehr.“

Diesem „nicht mehr“ hatten viele Menschen sichere Gnadenerweise und Wunder zu verdanken. Unzählige „chronische Sünder“ wurden durch ihn „befreit“ und konnten endlich Tränen über ihre Schuld weinen, die sie vorher auf sich geladen hatten. Wie viele Beichtkinder waren in seine Beichtzelle gekommen und würden ihr Leben lang nicht seine Umarmung, seinen Blick vergessen. Alle vertraute er Maria, der Mutter des Erlösers an. Ja, wie viele Stunden der Nacht hat er für diese Seelen gebetet? Oft hat ihn der Guardian (Hausobere) beim Morgengrauen im Halbdunkel der Kapelle auf dem Boden kniend vor der Muttergottesstatue angetroffen. Ihr war er wie einer Mutter zärtlich zugetan, er küsste sie und flehte sie an mit Tränen in den Augen wie ein Kind.

Pater Leopold im nächtlichen Gebet vor der Muttergottesstatue


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